Klassikerfahrt: BMW 2500 - Baureihe E3

Geschrieben von Laura Luft am . Veröffentlicht in Fahrberichte

- Kleine Ausfahrt im klassischen BMW 2500
- pünktlich zum 100-jährigen BMW-Jubiläum
- sportliche Limousine der 60er & 70er Jahre
- Reihen-6-Zylinder mit 2,5 Litern Hubraum
- kein elektronischer Schnickschnack innen



BMW feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen und wird dafür auch ein neues Gebäude für seine historischen Schätze eröffnen: Die "BMW Group Classic" soll ein neues Zuhause auf dem Gelände, auf dem die ersten BMW-Werkshallen entstanden sind, erhalten. In der Moosacher Straße im Münchener Norden, in der Nähe zur BMW Welt und dem BMW Museum, sollen Liebhaber der klassischen Automobile auf Ihre Kosten kommen. Um die Wartezeit bis zur Eröffnung im April 2016 zu versüßen, schauen wir uns einmal einen BMW-Klassiker aus der Nähe an.

Genauer gesagt den BMW E3 aus dem Jahre 1972. Zugegeben, wenn man eher in Rennsemmeln unterwegs ist und das sportliche Fahren liebt, wird man in diesem Schätzchen direkt entschleunigt. Der ältere Herr lässt es da gemütlich angehen. Ich fahre jetzt mit dem 2500 die kleinste Maschine aus der Reihe. Diese liegt jedoch gar nicht so weit weg von der Topversion 3.3 Li, die mit 200 Pferdchen ausgestattet war. Im korrekten Fachjargon wird die Farbe aber offiziell von der BMW-Lackiererei als "Taiga" bezeichnet! Gut, wie die Taiga sah auch die Umgebung beim Shooting aus, karg und bewaldet.

Wenige Schalter und Knöpfe
Das große hölzerne Lenkrad erinnert im Lenkverhalten eher an das eines Busses als an eine doch für damalige Verhältnisse recht sportliche und reisekomfortable Limousine. Widmen wir uns nun zunächst weiter dem Innenraum. Das Amaturenbrett ist aufgeräumt, bis auf das Radio: Wie in guten alten Zeiten mit zwei Knöpfen zum Drehen. Dann gibt es noch zwei weitere Knöpfe, einmal der Scheibenwischervorwahlschalter und einmal der Zigarettenanzünder. Ansonsten sucht man hier vergeblich nach Schnickschnack-Hebelchen.
 
Zwei Schalter rechts vom Lenkrad für die Heckscheibenheizung und den Warnblinker, ein Hebel, um die Radioantenne auszufahren, links noch ein Knopf für die Nebelschlussleuchte und das Fernlicht, das war's. Lediglich die verschiedenen Lüftereinstellungen lassen sich mit ein paar Hebeln noch verstellen, ansonsten zählt hier die Puristik im Auto. Auch schön, dass hier bei den Einstellungen noch die deutsche Sprache verwendet wird: "Luft", "warm", "kalt", "zu", "Lüfter", "unten", "oben". Die bunten Leuchten für Batterieladung, Öl, Fernlicht, Blinker, Tank und Bremse, die sich unter der Temperatur- und Tankanzeige befinden, erinnern an eine kleine Diskobeleuchtung. In welche Richtung man allerdings den Blinker gesetzt hat, muss sich der Fahrer schon merken, da es keine Richtungspfeilanzeigen gibt. Aber als Fahrer hat man ja eher keine Links-/Rechtsschwäche - besondere Exemplare im Straßenverkehr ausgenommen. Der Beifahrer kann dann die analoge Uhr für die Bestzeit im Auge behalten.

Startautomatik bei kaltem Motor
Aber nun zu den wichtigen Anzeigen im Auto: Der Drehzahlmesser ist genauso groß wie die Geschwindigkeitsanzeige, die bis 220 km/h geht, aber nicht ganz erreicht wird - man ist ja nicht mehr der Jüngste. Dafür darf man sich mit dem historischen Kennzeichen schmücken, was auch nicht für alle Klassiker vergeben wird, denn nur Original ist die Wahl. Okay, mal abgesehen von den Lammfellauflagen für die Sitze bei unserem Testmodell, die doch nachgepimpt wurden, hat dieser Oldie noch alles im Originalzustand. Dafür sitzt es sich aber auch wie auf Omas Sofa. Sicherheitsgurte und Kopfstützen waren bei unserem Testauto sogar noch Sonderausstattung. Wie gut aber, dass ab 1976 die Gurtpflicht in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben wurde und auch die Kopfstütze ab den 70er Jahren so langsam Einzug in neueren Modellen fand.
 
So, dann wollen wir doch auch mal die Fahreigenschaften testen und vollführen das Startprozedere. Bei kaltem Motor wird das Gaspedal vor dem Anlassen kurz niedergetreten, um die Startautomatik auszulösen. Zum Anlassen des Motors den Zündschlüssel nach rechts auf Stellung "Start" drehen (ohne das Gaspedal zu betätigen), bis der Motor angesprungen ist. Wer vergisst, das Gaspedal zunächst einmal anzutreten, bringt das Auto nicht zum laufen und könnte dazu verleitet werden, mit Gasstößen den Motor mit weiterer Benzinzufuhr absaufen zu lassen. Nachdem das Triebwerk sich ein wenig warm gelaufen hat und es ruhig aus dem Auspuff heraus brummelt, rollt das Schiff gemächlich seines Weges.

Sportliches Fahrverhalten mit nur vier Gängen
Vier Gänge hat das Auto und zieht sogar aus niedrigen Drehzahlen freudig nach oben. Dem Kurzhuber sei Dank, dass man hier auch im unteren Drehzahlkeller entspannt im vierten Gang um die Kurven zirkeln kann. Der M30-Motor war die Basis vieler Limousinen. Mit seiner siebenfach gelagerten und mit 12 Gegengewichten versehenen Schmiede-Kurbelwelle sorgt er für Masseausgleich. Sobald man dem alten Herren die Sporen gibt, ist Schluss mit dem gemütlichen dahinschlendern. Hier hört und spürt man den Fahrtwind, der an den für heutige Verhältnisse großen, schon fast Rundum-Panorama-Fenstern rüttelt und pfeift. Da muss man sich mit dem Beifahrer in einer anderen Lautstärke verständigen, wenn es ab 120 km/h im Fahrgastraum zunehmend lauter wird.
 
Trotz des Limousinenstatus und der Länge des Autos sind Kurvenfahrten wesentlich angenehmer als in manch anderen Autos der Neuzeit, da sich das Fahrwerk nicht neigt und wankt und das Auto trotz der Höhe satt auf der Straße liegt. Man ist in einem Oldtimer ja auch anders unterwegs als in Neuwagen und somit passt das Fahrverhalten zur damaligen Zeit. Im heutigen Straßenverkehr muss man sich aber nicht verstecken und kann auch noch entspannt im fließenden Verkehr mitschwimmen.

Gute Pflege erhält den Wert
Eine Servolenkung muss man hier nicht suchen, sie ist aber auch nicht unbedingt notwendig, da der Bayer sich nach ein paar eingegroovten Lenkmanövern elegant und behende um die Kurven pilotieren lässt. Der Wendekreis ist auch beachtlich für so ein großes Schiff. Der Fahrersitz war ja schon sehr bequem aber selbst auf der Rückbank hat man als Gast genügend Platz. Den Kopf oder die Knie muss man sich hier nicht anstoßen - so bequem könnte man doch glatt auch mit einem Fahrer durch die Gegend kutschiert werden.
 
Alles in Allem kann man sagen, dass in diesem Auto selbst die Verarbeitung für damalige Verhältnisse super war, denn es scheppert und klappert nichts und die Verkleidungen sehen auch noch frisch im Lack aus. Aber das ist natürlich auch immer eine Frage der Pflege, die gerade bei Oldtimern sehr wichtig ist. Ohne Elektronik-Schi-Schi kommt der Bayer prima zurecht. Aber wenn es mal etwas zu reparieren gibt, dann muss man sich einen Fachmann zu Hilfe holen, denn die Ersatzteile sind rar und die handwerkliche Arbeit mit solchen Autos bleibt in kleinem Kennerkreis. Ein Auto für Liebhaber und Nostalgiker eben.

Möge die Geschichte von BMW noch mindestens weitere 100 Jahre weitergehen und auch neben ihrem kürzlich vorgestellten "Space-Ship" noch viele Schätze in der Produktion, wenn auch in heutzutage anderem Maße, hervorbringen.

Die Technik von damals
Die M30 Motoren haben eines gemeinsam: Doppelkettenantrieb der obenliegenden Nockenwellen und turbinenartige Lauf. Der Pilot zirkelt sich bei diesem Modell mit einem vollsynchronisierten Vierganggetriebe durch die Zahnrädchen.

Technische Daten im Überblick
  BMW 2500 (E3)
Motor Reihen-Sechszylinder-Benziner
Hubraum 2.494 ccm
Leistung 110 kW/150 PS
0-100 km/h 10,4 Sekunden
Vmax 190 km/h
Leergewicht 1.360 kg
Bauzeit 1968 bis 1977
Stückzahl 92.415

Fotografin: Laura Luft (Kennzeichen auf Wunsch des Fahrzeugbesitzers unkenntlich gemacht)
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