Fahrbericht: McLaren 540C, 570S und 570GT

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Fahrberichte

- Vergleichsfahrt mit McLaren Sports Series
- direkter Vergleich: 540C, 570S und 570GT
- von Düsseldorf durch Eifel und Ardennen
- GT eher komfortabel, S eher sportlich-agil
- sowohl alltagstauglich als auch ultraschnell


So schön, wie ein Tag im Büro oder Home Office auch sein mag, es ist immer schöner, auch einmal raus zu kommen, etwas Neues zu erleben, Wind um die Nase strömen zu lassen. Wenn der Außentermin dann auch noch mit gleich drei leistungsstarken Sportwagen zu tun hat, fällt die Zusage besonders leicht. Die Überlegungszeit nach der Einladung zu einer Vergleichstestfahrt in den drei aktuellen Mitgliedern von McLarens Sports Series war also binnen einer Nanosekunde abgehandelt.
 
Verständlicherweise ging der Blick in den Tagen vor der Ausfahrt immer wieder zum Wetterbericht, der von einer 'Sommerpause' berichtete. Regen solle aufkommen, die Temperaturen fallen. Wenn man dazu bedenkt, dass die Fahrt in die Eifel gehen sollte, können zumindest Kenner der Gegend gewisse Befürchtungen verstehen, die dem Autor dieser Zeilen dabei kamen. Einen Abend vor der Veranstaltung dann die Entwarnung: Auf allen Wetterkarten zogen die Regengebiete nördlich oder südlich in weitem Abstand um die Eifel herum - und so kam es auch tatsächlich. Dass die Temperaturen trotzdem nur mit Mühe die 19-Grad-Marke erreichten, wurde von allen Beteiligten als angenehm empfunden: man kam auch in der prallen Sonne nicht ins Schwitzen.

540C, 570S oder 570GT, welcher darf es sein?
Da standen sie also aufgereiht vor dem Showroom von McLaren Düsseldorf: Ein roter 540C, ein grauer 570S und ein silberner 570GT. Den 570S kennen regelmäßige Leser von carsdaily.de bereits, es ist exakt das Auto, das wir vom McLaren-Werk in Woking vor sechs Wochen nach Deutschland geholt haben. Nach einer Kurzeinführung in die Fahrzeuge sowie die Verteilung der selbigen für den ersten Teil der Fahrt führte die Route zuerst zum erst kürzlich eröffneten 'Forum Terra Nova' an der nordöstlichen Kante des Braunkohletagebaugebietes zwischen Jüchen und Kerpen. Hier blickt man in das größte Loch Deutschlands, dessen Fläche inzwischen größer ist als das Stadtgebiet von Köln. Umso interessanter der Kontrast, wenn man vor der Kante einen McLaren platziert.
 
Besonderes Interesse auf der Fahrt in die Eifel hatte für alle Beteiligten die Frage, ob man zwischen den drei Mitgliedern der 'Sports Series', wie bei McLaren die Einstiegsbaureihe genannt wird, Unterschiede ausmachen kann, die über das optische Erscheinungsbild hinausgehen. Wobei selbst die Optik sich nur in Nuancen unterscheidet. Gerade bei 540C und 570S kommt es sehr auf die vom Besitzer gewählte Konfiguration an, um hier wirklich auf den ersten Blick sagen zu können, welcher der beiden gerade vor einem steht. Beim 570GT erleichtert die zusätzliche Glasheckklappe und die dadurch entstehende, nach hinten fließende Dachlinie den Erkennungsprozess zusammen mit der minimal höheren Spoilerkante am Heck.

Spürbare Unterschiede oder doch alles gleich?
Um es vorweg zu nehmen: Beim Fahren verhält es sich mit den Unterschieden ähnlich. 540C und 570S nehmen sich nicht viel, allenfalls im oberen Drehzahlbereich meint man leichte Leistungsunterschiede zu spüren. Den Sound zu vergleichen verbietet sich an dieser Stelle, da der 570S mit dem optionalen Sportauspuff ausgerüstet war, während am 540C die normale Serienabgasanlage ihren Dienst verrichtete. Auch hier entströmen durchaus sportliche Klänge, wobei die Sports Series generell nie heiser losschreit wie die Mitbewerber aus Maranello, sondern eher ein wenig zurückhaltender brummelt. Vermutlich ein Zugeständnis an die Turboaufladung des 3,8 Liter großen V8-Triebwerks.
 
Deutlicher ist der Unterschied zwischen 570S und 570GT. Obwohl beide mit der 570 PS starken Ausbaustufe des Motors unterwegs sind, fahren sie sich unterschiedlich. Während die S-Version sportlich-agil um jede Kurve schießt, macht der GT durch seine weniger direkt abgestimmte Lenkung und ein nochmals komfortabler abgestimmtes Fahrwerk schnell deutlich, dass er als 'Grand Touring', also als Reisecoupé für längere Fahrten verstanden werden möchte. Damit soll nicht gesagt werden, dass 540C und 570S für derartige Strecken untauglich wären - das Gegenteil haben wir mit der Langstreckenfahrt im 570S ja erst kürzlich unter Beweis gestellt. Allerdings bietet der 570GT durch den zusätzlichen Stauraum hinter den Sitzen jenes Quäntchen mehr Alltagstauglichkeit, das sich nicht einfach nur durch die 220 zusätzlichen Liter Volumen ausdrücken lässt. Auch das große Glasdach hat durchaus seine Vorzüge, bringt es doch viel natürliche Helligkeit ins Cockpit. Allerdings wäre ein Sonnenschutzrollo zu mancher Tageszeit als Blendschutz durchaus wünschenswert.

Interessanter Kontrast: McLaren vor Fachwerk
Wenn hier die Rede davon ist, dass der 570GT komfortabler als seine Modellgeschwister unterwegs ist, so gilt dies vor allem für die Handling-Einstellung 'Normal'. Sobald der Regler auf 'Sport' oder 'Track' gedreht wird, werden die Unterschiede geringer, einzig die Lenkung bleibt als abstimmungsbedingter Unterschied bestehen. Doch auch hier muss man relativieren: Es ist keinesfalls so, dass der GT ein unpräzises Lenkverhalten an den Tag legen würde. Vielmehr bietet er um die Mittellage herum etwas mehr Spiel im Vergleich zur direkt ansprechenden Abstimmung der anderen Sports-Series-Modelle. Dies fällt allerdings nur im direkten Vergleich auf. Beim Umstieg von einem normalen Alltagsfahrzeug in den 570GT dürften die allermeisten Fahrer von einer wunderbar direkten Lenkung schwärmen - es kommt eben immer auf den jeweiligen Bezugspunkt an.
 
In der Eifel angekommen gab es erneut reizvolle Kontraste. Ein typisches, mittelalterliches Dorf mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern passt eigentlich nicht zu modernen Supersportwagen mit Carbon-Monocoque und im Windkanal geformter Karosserie. Doch gerade dieser Gegensatz bot interessante Motive und führte schnell zu Gesprächsstoff mit vorbeikommenden Passanten und Anwohnern. Dabei fiel erneut auf, wie positiv der McLaren allerorten aufgenommen wird. Neiddebatten gab es am gesamten Tag bei allen angefahrenen Stationen nicht.

Ab in die Ardennen
Von der Eifel in die Hügel der belgischen Ardennen geht es schnell und ohne große Komplikationen. Allerdings setzte hier langsam der alltägliche Feierabendverkehr ein und erschwerte das Vorankommen. Mit klassischen Sportwagen hätte man nun auf Überhitzungen aufpassen müssen und gleichzeitig die Muskulatur des linken Beins auf dem Kupplungspedal trainiert. Nicht so im McLaren mit seinem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei solchen Verkehrsverhältnissen schlicht in die Automatikstellung gebracht wird, während die Fahrmodi-Schalter für 'Handling' und 'Performance' auf 'Normal' stehen. Auf diese Weise wird selbst ein Stau schnell erträglich.
 
Lohnenswert waren die Ortsdurchfahrten allemal. In nächster Nähe zur berühmten Formel-1-Rennstrecke von Spa-Francorchamps fanden sich die drei McLaren auf einem herrschaftlichen Schloss mit Hotelbetrieb zu letzten Fotos und einer Kaffeepause ein. Auf dem Rückweg nach Düsseldorf holte uns dann doch noch der Regen ein, was jetzt jedoch niemanden mehr störte. Alle Bilder waren im Kasten, die Eindrücke der drei Wagen längst gesammelt. Davon abgesehen, dass man auch genug frische Luft abseits des sonst üblichen Büro-Arbeitsplatzes gesammelt hatte.

Persönliches Fazit
Wenn mich nun jemand fragt, welches der drei Sports Series Modelle in meine private Garage rollen würde, wenn ich in diesem Moment bestellen müsste, wäre meine Antwort leicht. Persönlich hat mich tatsächlich der 540C am meisten überzeugt. Er mag offiziell acht Stundenkilometer langsamer als der 570S sein und auch für den Spurt auf Tempo 100 drei Zehntelsekunden länger brauchen, jedoch fallen diese Unterschiede im normalen Alltag und selbst auf der Landstraße nicht ins Gewicht. Wenn man jedoch beide Modelle gleich ausstattet, liegen bereits in der Basis 21.750,- € zwischen ihnen (wobei der S ein paar Details ab Werk besitzt), was sich je nach Konfiguration auf allenfalls 10.000,- € Differenz verringern lässt. Viel Geld für Sprit und den einen oder anderen Kurzausflug. Sollten Sie mehr Interesse an einem sportlichen Reisecoupé für die Fahrt zum Ferienhaus an der Cote d'Azur haben, ist vermutlich der 570GT die bessere Wahl. Aber auch der 570S hat seine Reize. Nur eines bleibt als Ratschlag: Bei der Gestaltung des Interieurs sollte man auf ein schwarzes Armaturenbrett Wert legen. In einem Bild unserer Galerie hab ich versucht, den Blendeffekt des roten Leders im 570GT einzufangen, der bei niedrig stehender Sonne gefühlt am schlimmsten auftritt. Auch das braune Leder im 570S-Testwagen war hier kein Stück besser. Gerade bei der Nutzung als Alltagsauto geht hier dann Funktion vor Optik, auch wenn farbiges Leder als Kontrast zur Außenlackierung natürlich reizvoll ist.

Daten der McLaren Sports Series
  540C 570S 570GT
Motor V8-Biturbo V8-Biturbo V8-Biturbo
Hubraum 3.799 ccm 3.799 ccm 3.799 ccm
Leistung 397 kW/540 PS 419 kW/570 PS 419 kW/570 PS
Drehmoment 540 Nm 600 Nm 600 Nm
0-100 km/h 3,5 Sekunden 3,2 Sekunden 3,4 Sekunden
Vmax 320 km/h 328 km/h 328 km/h
Trockengewicht* 1.311 kg 1.313 kg 1.350 kg
Kofferraumvolumen 150 Liter 150 Liter 370 Liter
Grundpreis (inkl. MwSt.) 160.000,- € 181.750,- € 195.350,- €
*mit gewichtsreduzierenden Optionen

Unseren Fahrbericht mit dem McLaren 570S auf der Fahrt von Woking/Großbritannien nach Düsseldorf finden Sie hier: http://www.carsdaily.de/carsdailynews/1551-fahrbericht-mclaren-570s.html

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Fotograf: Matthias Kierse
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