Ford Mustang - Vergleich der Generationen

Geschrieben von Laura Luft am . Veröffentlicht in Fahrberichte

- Frühlingshafte Ausfahrt mit zwei Wildpferden
- Mustang Convertibles von 1966 und 2016
- olivegrüner Klassiker mit schönem V8-Charme
- dunkelgrauer Neuling mit eigenem Charakter
- Gewinner der Herzen sind beide Fahrzeuge

 
50 Jahre Mustang-Historie liegen zwischen den beiden Testmodellen. Zudem mehr als 50 Jahre traditionsreiche amerikanische Geschichte rund um das Pony-Car, das mit dem Ur-Pferd im Jahre 1964 zum ersten Mal in die freie Wildbahn entlassen wurde. Zuerst widme ich mich dem Klassiker.

Mein historisches Pferchen musste ich nicht selbst einfangen, sondern durfte dieses von "Automobile Meilensteine" mit Sitz im Hause der Klassikstadt Frankfurt ausleihen. Die Idee hinter dem Firmenkonzept soll es ermöglichen, jedem die Faszination klassischer Automobile mit einem Fahrerlebnis näher zu bringen oder sich im Club mit anderen Besitzern klassischer Automobile auszutauschen. Damit man auch weiß, welches Modell man unter dem Hintern hat, haben sich die Mitarbeiter ein super Nummernschild einfallen lassen: F-MU 289 H. Mustang, 289 cubic inch und historisch, bitte schön. Jetzt ist mir alles klar. Nach einem ersten vorsichtigen Annäherungsversuch an der Zündung - wir wollen den Hengst ja nicht gleich aufschrecken - habe ich doch meine Mühe, den V8 zum Blubbern zu bringen.

Minimale Startschwierigkeiten der 50 Jahre alten Technik
Der in Dunkelgrün "Olive" (oder in meinen Augen eher Tannengrün) gekleidete Mustang hat schon bessere Zeiten gesehen und müht sich somit, mit kaltem Motor, beim Startvorgang doch etwas schwerfällig ab. Schlussendlich und mit viel Geduld bekommt man doch, was man möchte und nach gurgelnden Bachlaufgeräuschen im Motorraum, bei denen ich dachte, die kompletten Flüssigkeiten im Auto verflüchtigen sich, brabbelt der rassige Mustang mit herrlich tiefem Grummeln vor sich hin.

Und los geht die Testfahrt, zunächst über Landstraßen und nach einem ersten Muskelaufwärmen mit ein paar energischen Gasstößen auf die Autobahn. Noch fahre ich mit geschlossenem Verdeck, was bei den Geschwindigkeiten um die 100 km/h auch empfehlenswert ist. Es zieht etwas durch die Ritzen, aber ansonsten bekommt man keine weiteren Umwelteinflüsse mit. Geräusche aber, die hat man genug. Nicht nur der Motor dröhnt, beziehungsweise röhrt eben wie ein V8 klingen muss und das Quietschen und Knarzen der Karosserie gesellt sich dazu. Man kommt auch als Fahrer ins Jubeln, solange es geradeaus geht. Keine aktive Lenkunterstützung und ein superweiches Fahrwerk, wie damals eben so üblich, bieten dem Autobahnfahrer keinen wirklichen Spaß, weshalb auch keine weiteren Tempi durchprobiert werden. Es zieht einen doch eher auf die Landstraße im gemütlichen Dahinziehen, auch wenn die Kurvenfahrten immer daran erinnern, dass man auch ein Schiff pilotieren könnte. Die hintere Starrachse und Blattfedern bieten einem hier keinen Anreiz dazu.

Verdeck runter und die Sonne genießen
Der schwere Motor tut sein Übriges, das spürt man am hölzernen Lenkrad. Bremsen ist auch nicht unbedingt die Stärke unseres Oldtimers. Das ist ja kein Wunder bei der Bremsanlage mit Trommeln, die das gesamte stämmige Gewicht verzögern müssen. Somit reicht mir
das Dahin-Cruisen vollkommen. Noch besser, wenn man das bei strahlendem Sonnenschein und "topless" genießen kann. Also nichts wie runter mit dem Verdeck. Nach rund einer Minute ist dieses manuell abgenommen und ordentlich verstaut. Beim 2016er Sportkollegen nebenan dauert der ganze Vorgang nur 12 Sekunden und das Verdeck verschwindet elektrisch unter der Abdeckung.

Bleiben wir aber noch kurz bei unserem Oldie. Die Sonnenstrahlen genießend sucht man zielstrebig die Eiscafés in den Städten auf, um davor ein bisschen Eindruck zu schinden. Ja, zugegeben, das Gasgeben macht besonders
in den Geschwindigkeitsbereichen zwischen 30 bis 35 Meilen pro Stunde Spaß, bei denen man auch nicht Gefahr laufen muss, mit dem Umrechnen ins Straucheln zu kommen, um dann in tatsächlichen km/h-Angaben die Blitzer zu bemühen. Das Publikum dankt es einem mit jubelndem Winken und bewundernden Blicken. Auch Frau am Steuer kann mal einen auf Macho machen, wobei sich der Oldie doch eher handzahm in seiner Optik gibt und man ihn nicht übermäßig als Proll anzusehen hat.

Schalter und Hebel - fast wie im Flugzeug
Zum Thema Optik: Der Innenraum beim 1966er Jahrgang ist spartanisch, aber trotzdem mit Liebe zum Detail, denn die Sitze enthalten sogar neben den Steppnähten jeweils acht galoppierende Pferchen. Bei den vorderen Sitzen, die schräg umgeklappt werden, aber auch auf der Rückbank schnallt man sich an wie im Flugzeug. Ein sehr interessantes Detail, auch wenn hier keine Höhenflüge oder Turbulenzen zu erwarten sind. Das Cockpit ist aufgeräumt mit fünf gerundeten Instrumenten: Von links der Tankstand, daneben die Ölkontrolle, der Tacho in der Mitte, gefolgt vom Stromanzeiger und schlussendlich die Wassertemperatur.

Eine Reihe weiter darunter beginnend, wieder von links, existieren noch die Knöpfe: Einer mit der Aufschrift "fog", einer für den Scheibenwischer, ein weiterer für das Licht, dann das Zündschloss und der Zigarettenanzünder. Das Fernlicht wird über einen Fußhebel geschaltet. Die Heizung, die wir aber bei dem schönen Wetter gar nicht brauchen, wird über Hebel betätigt, die wie Flugzeughebel im Miniformat aussehen und die Aufschriften "heat", "temp" und "off" tragen. Den Hebel für die Handbremse betätigen wir lieber nicht, sieht etwas gebrechlich aus, aber von Elektrik ist auch hier keine Spur. Die Blinker werden mit zwei kleinen Fenstern angezeigt, aber akustisch wird man hier nicht ermahnt, den Blinker auch wieder auszustellen. Daran muss der Fahrer schon selbst denken, bevor er den fließenden Verkehr hinter sich irritiert. Alles handfest und massiv, was auch beim Türenzuwerfen
mit schönem, metallischen Klang einen stabilen Eindruck hinterlässt.
 
Gönnen wir dim Schätzchen eine Verschnaufpause und widmen uns dem anderen Biest. Der Junghengst scharrt schon mit den Hufen.
Es handelt sich um einen Mustang GT mit mächtiger Motorhaube, bösem Blick, tiefen Schürzen, sportlichen 19-Zöllern unter denen es sich eine Sechs-Kolben-Brembo-Hochleistungsbremsanlage gemütlich macht und straffem, muskulösem Auftreten. Der Bodybuilder umschließt den Fahrer mit gut geformten Sportsitzen, wobei man im 1966er Modell auf Omas Sofasesseln sehr bequem unterwegs war. Wir wollen aber jetzt nicht gemütlich sein, sondern dem Pferdchen die Sporen geben. Ab auf die Autobahn, ohne Verdeck, linke Spur. Das Windschott hält was es verspricht, kaum ein Luftzug rüttelt an der Frisur, bis die 220 km/h geknackt sind und das berühmte Haarspray nicht mehr unbeschadet mithalten kann.

Bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit ausfahren muss man den Wagen heute auch nicht, das genügt. Hauptsache man kann die Convertibles in vollen Zügen genießen. Die linke Spur ist aber trotzdem mühelos befahrbar und man bekommt
dank der imposanten Optik und des fauchenden Sounds freiwillig Platz gemacht, wenn man ordentlich das Gaspedal betätigt. Die Gänge muss man aber schon bis zum Anschlag ausdrehen, um Durchzubeschleunigen, da im fünften oder sechsten Gang ab 160 km/h nicht mehr so viel Schub nach vorne kommt und man dann wieder für einen zügigen Vortrieb runterschalten muss. Macht aber auch Spaß, dann hört man das Auto auch wieder besser wie es grummelt. Die knackigen, kurzen Schaltvorgänge zaubern einem das Grinsen ins Gesicht.

Früher war alles...lauter!
Gezähmt ist unser Junghengst aber allemal, denn auch Kreiselfahren ist ohne große Mühe möglich. Heute steht einem auch nicht der Sinn danach, auf öffentlichen Straßen irgendwelche schwarzen Streifen auf den Asphalt zu malen. Das sollte man hinter verschlossenen Türen ausprobieren, aber spüren kann man es, dass dieser Tatendrang nach Querbeschleunigung problemlos machbar sein sollte. Genügend Leistung ist vorhanden. Präzise pilotieren wir das Schmuckstück weiter über Landstraßen und durch Ortschaften und ziehen dabei auch hier jede Menge Blick auf uns, gerade vom jüngeren Publikum. Der Ruf nach Freiheit wird sowohl im Oldie als auch im Rennflitzer wach und der Highway Number 1 scheint zum Greifen nah.

Machen wir aber trotz Highway-Idylle den Soundcheck, denn obwohl beide Hengste einen V8 tragen, gewinnt doch ganz deutlich der 1966er den Dezibel-Contest mit 117 dB zu 108 dB. Somit macht der Junge hier dem Alten nichts vor. In Sachen Patina ist das Duell natürlich auch klar entschieden. Beide haben ihre Reize, die man nach Tagesform abhängig ausleben kann. Sportlich ist man aber nur im neuen Modell unterwegs, denn dazu möchte man den Älteren nicht mehr antreiben.

Zum Abschluss sei noch ein Blick in den Innenraum geworfen, bei dem mit dem Startknopf schon das neuere Biest seinen Charakter als Sportler bekommt. Die einzelnen vier Kippschalter rechts daneben geben das Rennsportfeeling weiter. Wobei der eine die Warnblinkanlage bedient, daneben die elektronischen Fahrhilfen deaktiviert werden können, man die Lenkung nach Belieben auf seinen Geschmack abstimmt und schließlich mit verschiedenen Modi das Optimum aus dem Auto herausholen kann: "Normal", "Sport", "Gelände" und "Schnee/Nässe". Also ich bin dann mal in "Sport" unterwegs, was sonst.  Mehr Komfort bekommt man hier allemal geboten, im Auto mit Sitzheizung und Sitzkühlung sowie verschieden verstellbaren Lüftungs- und Klimapräferenzen. Multifunktionslenkrad, Becherhalter, Zigarettenanzünder, Navigation, Premium-Soundsystem (wer braucht hier schon Radio, wenn der Sound aus dem Auspuff kommt?), alles drin im Magnetic-grauen Testmodell.
 
Fotografin: Laura Luft
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