Fahrbericht: Lada Vesta - Sprung in die Gegenwart

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Fahrberichte

- Lada präsentiert neue Limousine Vesta
- erstes Modell im neuen X-Markendesign
- X-förmige Details vorn, seitlich & hinten
- innen kommt Lada in der Gegenwart an
- umfangreiche Ausstattung ab 12.490,- €
 


Endlich ist er da, der neue Lada Vesta. Hoffnungsträger sowohl für den Hersteller als auch für die deutsche Importgesellschaft, sind beide doch in den vergangenen Jahren durch schwierige Zeiten gegangen. Gestern wurde das neue Fahrzeug in Neu Wulmstorf bei Hamburg der Presse präsentiert. Gleichzeitig konnten die ersten deutschen Händler bereits ihre Vorführmodelle in Empfang nehmen.

Exterieur - Einführung des neuen Markendesigns

Der Lada Vesta ist das erste Modell mit der neuen Designsprache der Marke. Wie der Chef-Designer der Russen, Steve Mattin, anlässlich der Präsentation des Vesta ausführte, fehlte Lada bisher ein typisches Markengesicht. Eine Identität, etwas, das dem Betrachter unmissverständlich andeutet, dass er vor einem Modell der russischen Marke steht. Mit dem markanten 'X-Design' wollen Mattin und sein Team genau das erschaffen. In der Tat fällt einem dieses Element sofort auf, wenn man sich dem neuen Vesta das erste Mal nähert.

Leicht um die Ecke herumgezogene Scheinwerfer begrenzen den schwarzen Grill. Darunter umrahmen markante Chromleisten die in Wagenfarbe lackierten äußeren Teile der Stoßstange und bilden so ein optisch wie ein X anmutendes Element, das nach unten durch den wieder in Schwarz gehaltenen Lufteinlass abgeschlossen wird. Die modern wirkende Front erhält durch dieses Stylingelement etwas unverwechselbares. Auch die Seitenansicht des Vesta zeigt stimmige Proportionen mit relativ kurzen Überhängen und weichem Verlauf von der Motorhaube zur Frontscheibe.

Hinten geht die sehr flach stehende Heckscheibe fast ansatzlos in den kurzen Kofferraumdeckel über und lässt fast vergessen, dass es sich bei dem Vesta um eine klassische Stufenhecklimousine handelt. Prägend in der Seitenansicht des neuen Russen ist ebenfalls das X-Design, wie Steve Mattin seine Kreation nennt. Durch Sicken, die einerseits von den Scheinwerfern in die vorderen Türen hinein verlaufen, andererseits von den Heckleuchten bis in die hinteren Türen, bildet das Design auch an den Seiten dieses neue Stilelement von Lada. Im Gegensatz dazu ist die Gestaltung des Hecks relativ schlicht. Auch hier bemüht man sich zwar um die Fortführung der Designsprache, bildet das aber nur in Form weißer Elemente innerhalb der Rückleuchten ab. So prägnant wie in Front- und Seitenansicht wirkt das jedoch nicht. Auffallender ist da schon der in großen Chrombuchstaben oberhalb des Kennzeichens angebrachte Markenschriftzug. Hier wäre etwas weniger sicher mehr gewesen.

Interieur - Bei Lada beginnen moderne Zeiten

Wer bisher an Innenräume von Autos aus Russland gedacht hat, dem fielen zuerst blanke, klebrige Kunststoffe und Gerüche nach Plastik ein, die fast ein ganzes Autoleben andauerten. Liebe Leser, bitte vergessen Sie alles, was Sie bisher mit der Marke Lada in dieser Form in Verbindung gebracht haben. Designer Mattin beschrieb es bei der Vorstellung so: Man habe mit einem weißen Blatt Papier angefangen, um das Design der Marke komplett neu zu erfinden. Eine, wie er weiter sagte, sehr reizvolle Aufgabe für jeden Designer.

Im Interieur des neuen Vesta wird dies sehr deutlich. Vor dem Fahrer zeigen gut ablesbare, mattsilber eingefasste, moderne Rundinstrumente die wichtigsten Informationen. Die Gestaltung des Armaturenbretts geht fließend in die Mittelkonsole über, wo das hoch angebrachte Display des Navigationssystems mit - in diesem Segment keinesfalls selbstverständlicher - integrierter Rückfahrkamera seitlich von zwei Lüftungsdüsen begrenzt wird. Darunter findet sich die Bedienung der serienmäßigen Klimaanlage beziehungsweise -automatik.

X-Design ist auch im Inneren des Vesta ein Thema, was man an den Kanten am Armaturenbrett erkennen kann. Vorbei ist es dagegen mit Glanz und Geruch der alten Zeit. Alle Materialien wirken hochwertig und sind einwandfrei verarbeitet. Die vorderen Sitze sind bequem, beheizbar und ausreichend verstellbar. Für den Fahrer gibt es auch eine Höhenverstellung. Besonderen Seitenhalt bei sportlicher Fahrweise bieten sie allerdings nicht. Für die hinteren Passagiere hält der Vesta eine Sitzbank ohne große Ausformungen bereit, die zwei Leuten akzeptable Platzverhältnisse bietet.

Der Fußraum ist selbst bei größeren Fahrern noch zumutbar. Zu dritt wird es allerdings dann doch eng und nur auf Kurzstrecken praktikabel. Ein großer Vorteil des sogenannten 'Three-Box-Designs', also der klassischen Stufenhecklimousine zeigt sich, wenn man die Kofferraumklappe öffnet. Mit einem Volumen von 480 Litern bietet der Vesta ausreichend Platz für die große Reise und das eine oder andere Souvenir auf der Fahrt zurück. Ebenfalls nicht selbstverständlich: Unter dem Ladeboden befindet sich ein vollwertiges Ersatzrad.

Performance

Trotz der Allianz mit Renault und Nissan wird der Lada Vesta von einer Motor-Eigenkonstruktion der Russen angetrieben. Und die macht ihre Sache durchaus nicht schlecht, aber dazu später mehr im Fahrbericht. Es handelt sich um einen 1,6 Liter großen Vierzylindermotor mit 78 kW/106 PS bei 5.800 U/min und 148 Newtonmetern maximalem Drehmoment. So motorisiert erreicht der neue Russe nach Werksangabe eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h und beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 11,2 Sekunden mit Schaltgetriebe. Die Version mit automatisiertem Getriebe braucht mit 12,8 Sekunden etwas länger. Damit wäre auch die Kraftübertragung angesprochen. Neben dem klassischen 5-Gang-Schaltgetriebe ist der Vesta auch mit einem Automatikgetriebe mit ebenfalls fünf Gängen erhältlich, das carsdaily.de auch für einen ersten Fahreindruck zur Verfügung stand.

Sicherheitstechnisch ist der neue Vesta auf der Höhe der Zeit. Selbstverständlich gehören ABS, ESP und Bremsassistent zur Serienausstattung. Beim RCAP-Crashtest in Russland erreichte der Vesta die höchstmögliche Wertung von vier Sternen und blieb das einzige Auto, bei dem nicht einmal die Frontscheibe beim Aufprall beschädigt wurde. Ein besonderes Sicherheits-Feature im Falle einer Kollision ist das 'Era Glonass'-System. Sollten bei einem Unfall die Airbags des Fahrzeugs ausgelöst werden, sendet das System über eine Satellitenverbindung unabhängig vom Mobilfunk automatisch einen Notruf an Polizei und Rettungsdienst und gibt die Position des verunfallten Fahrzeugs durch.

Fahrbericht

Steigt man zum ersten Mal in den neuen Vesta, so glaubt man nicht, in einem Fahrzeug der Marke Lada zu sitzen. Ohne sichtbare Markenlogos würde man wohl eher ein koreanisches oder japanisches Produkt vermuten. Doch es ist ein Lada und wir starten den Motor. Sehr dezent grüßt der Vierzylinder aus dem Motorraum. Den Wählhebel des automatisierten Getriebe auf Position 'A' geschoben und schon geht's los. Der Vesta rollt leicht von allein los, wie man es von Fahrzeugen mit Wandlerautomatik kennt.

Beim Beschleunigen fallen die doch recht langsamen Gangwechsel im Automatikmodus auf, die allerdings vorbildlich sanft vonstatten gehen. Das berüchtigte Kopfnicken, das man bei vielen anderen Fahrzeugen mit dieser Art Getriebe unweigerlich erleben muss, fehlt im Vesta komplett. Eines muss man aber ganz deutlich sagen: Sportliche Ambitionen unterdrückt das Getriebe komplett. Denn auch im manuellen Modus, in dem der Fahrer die Fahrstufen mit dem Hebel in der Mitte selbst anwählen kann, dauern die Gangwechsel nur unwesentlich kürzer. Wer es also etwas ambitionierter möchte, der sollte das manuelle Schaltgetriebe vorziehen.

Die Servolenkung ist nicht zu stark unterstützt und bietet eine angenehme Rückmeldung von der Straße. Ein kleiner Wendekreis sorgt für gute Manövrierbarkeit in engen Situationen. Ist man mit dem Vesta unterwegs, fällt die sehr gute Geräuschdämmung auf, bisher ebenfalls nicht unbedingt typisch für einen Lada. Kamen die Produkte aus Togliatti früher eher hemdsärmelig und robust daher und machten aus der Anstrengung im Motorraum keinen Hehl, so rollt der Vesta entspannt bei Landstraßentempo und belästigt seine Insassen nicht mit unnötigem Geräuschpegel.

Mit langen Federwegen aber angenehm straffer Dämpfung zeigt sich die Fahrwerksabstimmung passend dazu eher komfortorientiert, so dass auch längere Touren mit dem Russen gut vorstellbar sind. Insgesamt macht der neue Lada Vesta einen ausgewogenen Eindruck. Er ist ein leicht zu fahrendes Auto mit viel Platz und für die Klasse sehr umfangreicher Ausstattung zu einem äußerst interessanten Preis. Auch optisch hebt es sich aus der Masse hervor. Lada ist technisch, in der Qualitätsanmutung und im Design in der Gegenwart angekommen.

Preis

Der neue Lada Vesta ist ab sofort auf dem deutschen Markt verfügbar. Die Preisliste beginnt bei 12.490,- € für das Standardmodell mit Handschaltung. Die Luxusvariante mit dem automatisierten Getriebe bildet mit einem Preis von 14.250,- € das obere Ende des Angebots (je inkl. MwSt.). Allen Modellen gemeinsam ist eine Garantie von fünf Jahren.

Die Zukunft von Lada

Noch im Jahr 2015 war der russische Hersteller mit 1.500 verkauften Fahrzeugen vom deutschen Markt so gut wie verschwunden. Lediglich der Offroad-Dauerbrenner Niva oder Lada 4x4, wie er seit kurzem heißt, sorgte noch für etwas Ab- und Umsatz beim Importeur in Buxtehude. Doch bei Lada in Togliatti an der Wolga brechen seit einigen Jahren neue Zeiten an. Seit 2008 gehört der ehemalige Staatskonzern teilweise zu Renault und befindet sich in einer Allianz mit den Franzosen und dem japanischen Hersteller Nissan. Erste sichtbare Ergebisse dieser Zusammenarbeit sind verschiedene Renault- und Dacia-Modelle, die in Russland unter dem Logo mit dem Segelschiff vertrieben werden. So ist der Dacia Logan MCV baugleich mit dem Lada Largus, der Logan der zweiten Generation bildet die Basis für den Lada Granta. Ferner produziert Lada in seinem zweiten Werk in Ishevsk Renault- und Nissan-Modelle für den russischen Markt.

Einhergehend mit der Zusammenarbeit wurde die Marke komplett neu aufgestellt, besonders im Design. Hierzu verpflichtete man 2011 den damaligen Chefdesigner der schwedischen Marke Volvo, Steve Mattin. Mattin kreierte das bereits im obigen Bericht skizzierte X-Design, das in Zukunft allen neuen Modellen der Marke eine einheitliche Identität verleihen wird. Einige der zu erwartenden Fahrzeuge sind auf dem Heimatmarkt von Lada bereits erhältlich, so beispielsweise der Crossover X-Ray. Hier spiegelt auch der Name das Designthema wieder. Weitere werden folgen. Bei der heutigen Pressepräsentation des Vesta bestätigte Peter Mattin, dass eine Kombiversion dieses Modells noch in diesem Jahr auf dem russischen Markt eingeführt wird. In Deutschland wird dieses Fahrzeug ab dem zweiten Halbjahr 2018 ebenso erhältlich sein wie der X-Ray. Mit weiteren Concept Cars testet Lada zur Zeit die Resonanz der Kundschaft, um zu gegebener Zeit über deren Serienproduktion zu entscheiden. Dazu gehört auch der Prototyp einer Elektrovariante des Vesta, über den carsdaily.de bereits berichtet hat. Unseren Bericht über den ersten Lada mit Elektromotor finden Sie hier: http://www.carsdaily.de/carsdailynews/1618-lada-vesta-ev-ein-elektroauto-aus-russland.html

Gemeinsam mit den ambitionierten Veränderungen am Stammsitz der Marke zeigt auch der deutsche Importeur, dass es mit Lada bergauf gehen soll. Nachdem im Jahr 2015 die absatztechnische Talsohle erreicht war, gelang ein Jahr darauf der Turnaround, wenn auch noch auf bescheidenem Niveau. Mit 2.400 verkauften Lada-Fahrzeugen bedeutet das letztjährige Ergebnis immerhin eine Steigerung des Absatzes um mehr als die Hälfte. Mit der Markteinführung des neuen Vesta strebt Lada für das laufende Jahr nach Auskunft des Geschäftsführers der Lada Deutschland GmbH, Dieter Trzaska, ein Absatzziel von 5.000 Fahrzeugen an. Im Jahr 2018 sollen die angekündigten Erweiterungen der Modellpalette Lada, so prognostiziert es das deutsche Urgestein der Marke Dieter Trzaska, zu Absatzzahlen im Bereich zwischen 7.000 und 9.000 Fahrzeugen verhelfen.

Kennen Sie schon die carsdaily.de Seite auf facebook? Dort werden Sie über alle neuen Artikel informiert und erhalten Live-Bilder von Veranstaltungen und Messen. https://www.facebook.com/carsdaily.de

Quelle: Lada (7 Fotos)
Fotograf: Kay Andresen (21 Fotos)

 

Wir verwenden Cookies um die Darstellung unserer Webseite auf allen möglichen Endgeräten bestmöglich zu gewährleisten. Durch das anklicken von uns in Beiträgen verlinkten YouTube-Videos werden personenbezogene Daten (Beispielsweise Ihre IP-Adresse, Standortinformationen, Browserversion, Betriebssystem usw.) an den anbieter übermittelt. Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies durch unsere Webseite zu. Die Übertragung Ihrer Daten wird vom jeweiligen Anbieter (Youtube, Facebook, Google, Instagram usw.) direkt eingeleitet und nicht von Carsdaily selbst übermittelt.