Klassikerfahrt: Mercury Monterey Fastback 390

Geschrieben von Laura Luft. Veröffentlicht in Fahrberichte

- Aufwändig restauriertes US Car gefahren
- einmaliger Lackfarbton auf der Karosserie
- innen sechs Sitzplätze mit Leder in Beige
- 6,4 Liter großes V8-Big-Block-Triebwerk
- reichlich Sound, hochgereckte Daumen
 


Was gibt es schöneres als einen bulligen V8-Sound?!
Lange ist es her, dass ich in einem Oldtimer Platz nehmen durfte. Diesmal ist es kein geringerer Markenname als Mercury - also nicht der Nachname von Freddie sondern ein Beast. Genauer: ein in neunmonatiger, mühevoller Kleinarbeit restauriertes Geschoss, das der Besitzer aus Los Angeles im Auftrag importieren ließ. Schauen wir uns doch erst mal an wie das Auto vorher aussah, als es nach Deutschland kam. Zuvor wurde es von Klaus P. Bormann, dem Inhaber von cargate48 als Alltagsauto pilotiert. Damals war die Lackierung noch Nascar-like und weniger auffällig als heute, wo wir einen aufgemotzten Ford-Farbton vorfinden.

Für die Farbwahl im Rahmen der umfangreichen Restaurierung zeichnet übrigens die Frau des Besitzers verantwortlich. 'Orange-Bronze-Braun-Gold-Metallic', kurz OBBGM, ist eine Eigenkreation des Lackierers. Gold deshalb, weil in diesem Lack keine Silberpartikel wie üblicherweise enthalten sind. Die Farbe war auch das erste, was mir an diesem Wagen direkt ins Auge gesprungen ist, weit bevor der Motor gestartet wurde. Aber nun erst mal der Reihe nach. Nachdem man drei Schlüssel für das Auto bekommt um es aber nur mit einem davon schließlich zu starten, bollern wir aus der trockenen Tiefgarage heraus, wo man das erste Mal lautstark von dem orangefarben funkelnden Koloss 'angebrüllt' wurde. Nach einem ersten breiten Grinsen im Gesicht geht es mit dem Besitzer am Steuer munter durch die Stadt und über die Landstraße, um den Motor aufzuwärmen und mal ordentlich zu zeigen, was das Schätzchen alles kann.

Umfangreiche Restaurierung
Dabei wurde gefachsimpelt was alles an dem Wagen verändert wurde: Neben den offensichtlichen Lack- und Restaurationsarbeiten wurde der Motor optimiert, was man an dem freudigen Gebrüll bei Berührung des Gaspedals spürt. Das Auseinandernehmen, Runterschleifen, Feinschleifen, Zusammenbauen und Teile aus den USA bestellen, oblag dem Besitzer. Hilfe bei den anderen diversen Umbauten bekam er von renommierten Spezialisten für Motor- und Getriebe-Instandsetzungen für US Cars namens 'Ol’ Skool Customs' aus Reinheim. Die extrem auffällige Farbkombination wurde vom Karosseriebau- und Lackierbetrieb 'HP Bauer' aus Heusenstamm zusammengestellt. Und damit ist nicht nur durch den Sound, sondern auch gerade durch den funkelnden Lack der Wagen von einem Rennflitzer in einen 'Head Turner' verwandelt worden. Entlang des Weges erhalten wir einige staunende Blicke sowie hochgereckte Daumen für diese auf deutschen Straßen doch selten anzutreffende Spezies.

Um beim Exterieur zu bleiben wird nun zunächst jeder Zentimeter begutachtet. Aufgrund von Teilemangel ist der Spalt unterhalb des Grills ein wenig größer, die Gummis an den 'New Old Stock'-Rückleuchten leicht geflickt, aber es ist ein lebendes Projekt mit Spaß an der Unterhaltung und stetiger Verbesserung. Dabei gilt der Erhaltung der H-Zulassung ein besonderes Augenmerk. Die einzelnen Mercury-Schriftzüge sind zwar original nicht immer an den selben Stellen angebracht aber passen sich schön in das Gesamtbild des Wagens ein. Ein paar witzige Aufkleber an den Scheiben oder Kotflügeln geben dem Fahrzeug eine persönliche Note.

Big-Block-V8 unter der Motorhaube
Damit die Motorhaube bei der brachialen Gewalt des Beschleunigens nicht vollends abhebt, wird sie von zwei Haubenhaltern aus dem Rennsportbereich zurückgepfiffen. Was sich da unter der großen Klappe verbirgt ist ein extrem drehfreudiger V8, der jederzeit das tonnenschwere Gefährt nach vorne schiebt und das mit einem Sound zum niederknien. Werfen wir doch direkt einen Blick darauf. Hier strahlt uns im typischen Mercury-Blau der Big Block entgegen. Gut, die Farbe passt vielleicht nicht unbedingt zur Außenhaut, aber Hauptsache die Leistung stimmt. Viele Kabel ziehen sich über den Motorblock. Was nicht gebraucht wird, wie beispielsweise die Klimaanlage, fliegt im Rahmen des bereits geplanten nächsten Umbaus raus. "Sie nimmt nur unnötig Leistung weg", schmunzelt der Besitzer. Wir wollen ja die Pferdchen nicht unnötig im Zaum halten. Auch wenn der von der Optik her plattgedrückte Wagen das Wort 'Fast' auf dem 'back' stehen hat, möchte man nach diversen Gasorgien auch gerne in den Cruise-Mode übergehen. Da das Auto nicht gerade ein Kurvenkiller ist, fröhnt man lieber der Geradeausfahrt mit typischem Spiel im Lenkrad, aber das kennen wir ja schon von anderen US Cars.

Bremsen ist ja ebenfalls keine Paradedisziplin, was bei den verbauten Trommeln rundum kaum verwundert. Deshalb ist vorausschauendes Fahren mit genügend Abstand enorm wichtig. Spaß macht das Schiff auf jeden Fall, für mich am Liebsten im Vollgas-Modus. Doch das zahlt sich an der nächsten Tankstelle direkt negativ aus. Somit widme ich mich noch gerne nach erfolgter Spritztour den diversen Features. Schön finde ich beispielsweise, dass es von der Optik her keine B-Säule gibt. Das gibt den Insassen einen komplett freien Blick nach draußen. Man fühlt sich direkt auf einen Highway an der West Coast der USA gebeamt. Musik wird überbewertet und funktioniert ohnehin dank der etwas betagten Antenne nicht wirklich. Aber die wirklichen Geräusche kommen ja auch bekanntlich nicht aus dem Radio, sondern aus dem Auspuff, die gleich zwei ordentliche Rohre zur Verfügung hat. Die dicken Schlappen mit radialer weißer Markierung runden den Look gekonnt ab und können so manche schwarze Streifen produzieren.

Für bis zu sechs Insassen zugelassen
Zum Schluss wenden wir uns dem Innenraum zu, der weitestgehend im Originalzustand belassen wurde. Neu sind der vorgeschriebene Schalter für die Warnblinkanlage und zusätzliche Motoröldruck-, Temperatur- und Tachoanzeigen. Eingetragen sind die in Beige bezogenen 'Sofa'-Sitzplätze für bis zu sechs Personen. Vorn lässt sich die Sitzbank klassisch für unterschiedlich große Fahrer verstellen. Das Bremspedal ist so lang und breit wie ein Zollstock. Typische Merkmale, die man üblicherweise in dieser Baureihe des Mercury Monterey findet. Die Schaltung für die Automatik am Lenkrad ist etwas gewöhnungsbedürftig und soll laut Besitzer irgendwann mal auf einen konventionellen Schalthebel im Fußraum nebst manuellem Getriebe umgerüstet werden.

Lustige Begebenheit beim Test war auch, dass bei den sommerlichen Temperaturen die Anzeigen für die Blinker mal zu sehen waren und mal nicht und dass bei der sportlichen Fahrweise meinerseits die Tankanzeige direkt auf 'E' (Empty) gesprungen ist, obwohl der Tank noch halb voll war. Tja, da wollte mich das Auto wohl schon mal vorwarnen, mit dem Gasfuß etwas vorsichtiger umzugehen. Alles in allem, trotz der Schwere des Autos und des doch sehr verwindungsfreudigen Fahrwerks, kommt man mit ausreichend Sporengeben schnell voran und sorgt für die notwendigen Blicke bei den anderen Verkehrsteilnehmern. Wer mal einen Blick auf diesen Mercury Monterey Fastback werfen möchte, trifft ihn jeden Freitag ab 18:00 Uhr am McDonald's in Egelsbach an, wo sich die RMC (Rhein-Main-Cruisers, ein Ableger der 'Good Guys Germany') von April bis Oktober treffen, US Cars präsentieren und fachsimpeln.

Technische Daten
Motor V8-Saugmotor
Hubraum 6.391 ccm (390 cubic inches)
Leistung 202 kW/275 PS
Getriebe Automatikgetriebe mit Lenkradschaltung
Vmax 200 km/h
Bremsanlage Trommelbremsen rundum
Leergewicht 1.800 kg
Ø-Verbrauch 20 Liter (+x) / 100 km

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Fotografen: Laura Luft (21 Fotos), Fahrzeugbesitzer (7 Fotos)