Ein Besuch im Stiftung AutoMuseum Volkswagen

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Rundgang im Wolfsburger VW Museum
- Überblick über komplette Markenhistorie
- beginnend bei frühen Käfern im Krieg
- Wechsel vom Heck- auf den Frontmotor
- Sonderausstellung 'Polizeifahrzeuge'
 


Die Stadt Wolfsburg ist für Autofans immer eine Reise wert, die meisten von ihnen denken dabei allerdings in erster Linie an die AutoStadt, die multimediale Erlebniswelt zum Thema Automobil, geschaffen unter der Regie des ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden des VW-Konzerns, Ferdinand Piëch. Was leider zuviele Automobilliebhaber nicht wissen: Es gibt noch einen weiteren sehr guten Grund, der niedersächsischen Stadt einen Besuch abzustatten, das Volkswagen Museum.

Schlichter Bau, tolle Sammlung
Beherbergt in einem schlichten Gewerbebau zeigt die 'Stiftung AutoMuseum Volkswagen', so der exakte Name des Museums, die Modellgeschichte der Wolfsburger Erfolgsmarke von den Anfängen in der Nazi-Diktatur bis zum aktuellen 1-Liter-Auto mit einer unglaublich breiten Vielfalt an Exponaten. Eine ganze Reihe davon dürften auch versierten Kennern von VW vor dem ersten Besuch im Museum unbekannt gewesen sein, andere rufen Gedanken wie: "Ach ja, den gab's ja auch mal" hevor, einfach, weil sie oftmals in Vergessenheit geraten sind.

Betritt der Besucher das Museum, so begrüßt ihn der Volkswagen schlechthin, der Käfer, in verschiedensten Varianten. Angefangen von einem der wenigen im zweiten Weltkrieg gebauten zivilen Fahrzeuge für private Nutzung, die nur den Größen des Dritten Reichs vorbehalten waren geht es bis zur Ultima Edición des Jahres 2003. Ein Exemplar aus der in Mexiko gebauten finalen Serie des berühmtesten Krabbeltieres der Welt steht hier - in der AutoStadt ein weiteres, das letztgebaute. Viele Besucher betrachten die historischen Fahrzeuge mit leicht wehmütigem Gesicht und Kommentaren wie: "Das war mein erstes Auto", oder: "So einen hatte damals mein Onkel". Die lange Bauzeit des Wolfsburger Urmodells brachte einige sehr interessante und auch skurrile Umbauten hevor, von denen eine Auswahl im Museum die Ausstellung bereichert. Von einem schwimmfähigen Käfer, der die Straße von Messina zwischen Italien und Sizilien überquert hat, bis zu einem Käfer als Gondel eines Heissluftballons sind die Ideen der oft privaten Bastler zu sehen. Ein Teil davon findet sich in unserer Fotoshow.

Nach Käfer kamen Bulli und weitere Heckmotor-Modelle
Setzt der Besucher seinen Rundgang fort, trifft er auf das nächste Urgestein in der Erfolgsgeschichte von Volkswagen. Angeregt durch eine Idee des ersten ausländischen Importeurs der Marke, dem Niederländer Ben Pon, der seit 1947 Generalimporteur seines Landes für Volkswagen war, entstand der Typ 2, später auch T1 genannte Transporter auf Basis des Käfers. Mit einem ganz frühen Exemplar aus dem Jahr 1949 beginnt die Auswahl verschiedenster Exponate der Transporter-Baureihen bis schließlich ein T3 der heutzutage unter Fans besonders begehrten Limited Last Edition aus dem Jahre 1992 den Schlusspunkt bildet. Den Schritt zum T4 mit Frontmotor bewahrt sich das Museum noch für kommende Zeiten auf.

Mit drei Exponaten aus dem Bereich der militärischen Vergangenheit, je einem Schwimm- und Kübelwagen sowie einem der extrem seltenen Kommandeurswagen, einem frühen Käfer mit dem Allradantrieb aus dem Schwimmwagen, ist auch diese weniger positiv besetzte Zeit der Markenhistorie im Museum vertreten. Anschließend folgt eine Reihe der großen Fahrzeuge vom Ende der Heckmotor-Ära, darunter auch interessante Modelle, die teilweise nur in ausländischen Niederlassungen von Volkswagen, beispielsweise in Brasilien produziert wurden. Neben dem erfolglosen und fast vergessenen 412 steht der Besucher mit leicht ungläubigem Staunen vor einem eleganten Sportcoupé mit unverkennbarer Volkswagen-Designsprache der 1970er Jahre. Es handelt sich um den SP2, ein außerhalb seines brasilianischen Ursprungslandes nahezu unbekanntes Fahrzeug.

Wechsel vom Heck- zum Frontmotor
In der Folge vollzieht die Ausstellung im Museum den großen Bruch in den 70er Jahren nach. Die Umstellung von Heckmotor und -antrieb auf die moderne Frontmotorbauweise mit Frontantrieb, die letztendlich das Überleben der Marke gesichert hat. Frühe Modelle von Golf, Passat und Scirocco rufen bei den jüngeren Besuchern ähnlich wehmütige Erinnerungen hevor, wie es die Käfer bei ihren Vätern taten. Besondere Exponate zeigen hier in ausländischen Werken wie zum Beispiel Westmoreland (USA) oder Sarajevo, damals noch Jugoslawien, gefertigte Versionen. Selbst in kleinsten Auflagen gebaute Sondereditionen wie der Golf II G60 Limited fehlen ebenso wenig in der Ausstellung, wie ein Querschnitt durch die motorsportlichen Engagements der Marke VW. Neben den siegreichen Offroadern der Rallye Paris-Dakar und ehemaligen deutschen Rallyemeistern finden sich auch Rundstreckenfahrzeuge wie ein Polo G40.

Die zukunftsorientierte Entwicklungsarbeit im Volkswagen-Konzern heutzutage dokumentiert das Museum mit der Darstellung mehrerer Prototypen und Designideen aus dem Bereich 'Energie-Effizienz' bis hin zur fertigen Serienvariante des XL1, dem sogenannten 1-Liter-Auto. Mit einem Vorserienauto diesen Typs fuhr Ferdinand Piëch persönlich im April 2012 von Wolfsburg zur Jahreshauptversammlung in Hamburg und konnte den angestrebten Durchschnittsverbrauch auf dieser Tour sogar noch unter diese magische Marke drücken. Eine Reihe von Prototypen und Designstudien, die es dagegen aus den unterschiedlichsten Gründen nie in eine Serienfertigung geschafft haben, sowie auch einzelne Sonderanfertigungen für prominente Kunden wie ein besonders luxuriöser T3 für den berühmten Dirigenten Herbert von Karajan ergänzen die Ausstellung ebenso, wie wunderschöne Karosserievarianten berühmter Manufakturen und Designer wie Rometsch oder Ghia Aigle.

Wechselvolle Sonderausstellungen
Zusätzlich zu der Übersicht über die Geschichte der Marke Volkswagen zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen, in denen durchaus auch Fahrzeuge anderer Marken zu sehen sind. Zum Zeitpunkt des Besuches von carsdaily.de waren 'Polizeifahrzeuge aus Deutschland' das Thema dieses Bereichs. Mit Leihgaben aus ganz Deutschland wird eine Bandbreite an historischen Einsatzfahrzeugen gezeigt, die vom Mercedes-Benz 170 OTP (Offener Tourenwagen Polizei) über den EMW 340 der ehemaligen DDR-Volkspolizei bis zu einem zivilen Observierungsfahrzeug aus der Zeit des Baader-Meinhoff Terrorismus reicht. Die nächste Sonderausstellung wird ab Frühjahr 2017 historische Cabrios der unterschiedlichsten Marken zeigen.

Wer jetzt Interesse an einem Besuch des Museums verspürt, findet weitere Informationen über die Stiftung AutoMuseum Volkswagen auf der Website des Musums unter www.automuseum-volkswagen.de.
Da das Museum über einen Fundus an Fahrzeugen verfügt, sind die beschriebenen und in unserer Fotoshow präsentierten Exponate eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Besuchs. Aber gerade der Wechsel der ausgestellten Fahrzeuge macht das Museum immer wieder auf's Neue interessant und reizvoll für einen Besuch.

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Fotograf: Kay Andresen

 

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