Messerundgang: Bremen Classic Motorshow 2017

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Norddeutscher Start in die Oldtimersaison
- erneut gut gefüllte Bremer Messehallen
- diverse Fahrzeuge schon früh verkauft
- einige Youngtimer mit wenig Laufleistung
- interessante Karmann-Sonderausstellung
 


Wie in jedem Jahr Anfang Februar lud auch 2017 die Bremen Classic Motorshow Oldtimerbesitzer und -freunde ein, gemeinsam den Start in die neue Saison zu begehen. Gleichzeitig bot die Messe einen guten Ausblick, wie sich der in den letzten Jahren geradezu boomende Markt der klassischen Fahrzeuge weiterentwickeln könnte. Traditionell ergänzte auch wieder eine Sonderausstellung das vielfältige Angebot auf der Bremen Classic Motorshow 2017.

Viele Autos früh verkauft
Am ersten Freitag im Februar ab 9:00 Uhr stürmten die Oldtimerfans die Bremer Messehallen und bereits nach weniger als einer Stunde war der Besucherparkplatz komplett besetzt. Die Messe rund um das Thema 'klassische Automobile' ist ein fester Bestandteil der norddeutschen Szene geworden. Man hatte in diesem Jahr den Eindruck, dass besonders viele Besucher mit Kaufinteresse schon am frühen ersten Ausstellungstag versuchten, sich ihre 'Beute' zu sichern, denn bereits nach wenigen Stunden waren auffällig viele 'verkauft'-Schilder an den Exponaten zu erkennen, was angesichts des nach wie vor hohen Preisniveaus erstaunt.

Sowohl die zahlreichen Händler aus dem In- und Ausland wie auch die privaten Anbieter waren bei der Gestaltung der Preisschilder, speziell an den momentan gefragten Klassikern, nicht schüchtern. Einige Beispiele: Ein Dino (Ferrari) 308 GT4 stand für 118.500,- € zum Verkauf - ein Auto, das man vor einigen Jahren noch im Bereich von 25.000,- € finden konnte. Für einen zugegebenermaßen sehr schönen Brezel-Käfer mit erstaunlich geringer Laufleistung von nur 63.000 Originalkilometern wurden 59.900,- € aufgerufen. Dass sich die beliebten Samba-Busse von Volkswagen im preislich sechsstelligen Bereich bewegen, daran hat man sich inzwischen schon gewöhnen müssen und auch diese Entwicklung bestätigte sich mit Beträgen ab 125.000,- € für gute Exemplare.

Exoten und Youngtimer mit wenig Laufleistung
Insgesamt scheint sich aber die Aufwärtsbewegung des Preisniveaus etwas beruhigt zu haben. Fast könnte man sagen, es stagniert auf hohem Niveau. Interessanterweise waren in diesem Jahr neben den auf jeder Messe und jedem Treffen zu findenden Fahrzeugtypen wie diversen Mercedes-Benz-Modellen, Porsche 356 und 911 oder Volkswagen Käfer aller Baujahre sehr seltene Exoten zur Freude der Interessenten und Messebesucher im Angebot. Wann bekommt man schon einmal einen Alfa Romeo 1900 C Super Sprint mit einer Sonderkarosserie der Schweizer Ghia-Dependance Ghia Aigle zu sehen. Kein Wunder, es wurden von diesem schönen Fahrzeug nur insgesamt fünf Exemplare gebaut, von denen heute noch drei existieren. Ähnlich exotisch mutete ein Fiat 600 Vignale Abarth von 1959 an, den der dänische Händler CC-Cars präsentierte und bereits am ersten Tag verkaufen konnte.

Exoten ganz anderer Art fanden die Kaufinteressenten auf der Präsentationsfläche der Youngtimer mit geringen Laufleistungen, die seit einigen Jahren das Messeangebot ergänzt. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welche Klassiker aus Sammlungen, Familiengaragen oder anderen Quellen plötzlich auftauchen und angeboten werden. In diesem Jahr stach besonders ein Schwimmwagen der Marke Amphicar aus Berlin ins Auge, der mit 250 originalen Kilometern auf dem Tacho angeboten wurde, Handtuch auf dem Fahrersitz inklusive. Die nächste Spritztour im wahrsten Sinne sollte dem neuen Besitzer allerdings auch 136.000,- € wert sein, denn diese Summe wurde für das seltene Fahrzeug aufgerufen. Weitaus einfacher wäre da dem Autor dieser Zeilen die Rückkehr zu seinen automobilen Wurzeln möglich gewesen, stand doch sein erstes Auto, ein Volkswagen 1600 TL aus dem Baujahr 1968, für vergleichsweise günstige 17.500,- € bereit.

Privatangebote im Parkhaus und Club-Exponate
Die Angebote der privaten Verkäufer waren auch in diesem Jahr im Messeparkhaus in großer Zahl zu bewundern und natürlich auch zu erwerben. Die Nachfrage der Verkäufer war in diesem Jahr so groß, dass der Messeveranstalter die Ausstellungsfläche bereits lange vor Messebeginn als ausgebucht vermelden konnte. Der Rundgang durch das Parkhaus lohnte sich, denn wie in den Hallen zeigte sich auch im Angebot der privaten Verkäufer, die übrigens in diesem Jahr in großer Zahl aus dem Ausland, besonders aus Schweden angereist waren, eine Typenvielfalt, wie man sie in den in den letzten Jahren nicht gesehen hat. Natürlich dominierten auch hier Mercedes-Benz, Porsche & Co. Aber wer zwischen all den Sternen und luftgekühlten Heckmotoren genauer hinsah, fand beispielsweise einen Ford Vedette, ein seltenes Modell aus der kurzen Episode der Ford-Fahrzeugproduktion in Frankreich oder einen Trabant P50 von 1963 in einem absoluten Topzustand. Mit Begeisterung entdeckten die Besucher in einer dunklen Ecke des Parkhauses die Front eines BMW M1. Doch bei näherer Betrachtung wich diese Freude der Enttäuschung: Die Proportionen des Sportwagens stimmten überhaupt nicht. Statt der Münchner Legende stand hier nur eine billige Replika zum Verkauf. Andere Exponate ließen selbst gestandene Oldtimerkenner mit einem Fragezeichen im Gesicht davor staunen. Mal ehrlich, wer kennt denn auch einen Vincent Hurricane, diesen kleinen englischen Roadster, der Ende der 60er Jahre in 52 Exemplaren auf Basis des Triumph GT6 entstand. Parallel zu den Exponaten in den Hallen hatten am ersten Tag bereits auch eine ganze Reihe der privat angebotenen Klassiker den Besitzer gewechselt.

Nicht zum Verkauf bestimmt waren die auf den Ständen der verschiedenen Markenclubs gezeigten Oldtimer. Wie in jedem Jahr gab es eine sehr interessante Mischung aus liebevoll erhaltenen oder bestens restaurierten Alltagsklassikern und einigen Exoten. So zeigten sich neben einer Citroën DS Limousine natürlich der berühmte 2CV in Neuwagenzustand und als besonderes Exponat ein Citroën SM, der als Diplomatenfahrzeug für die französische Botschaft in Deutschland im Einsatz war. Bei Ford konnten die Messebesucher einen wunderschönen OSI Ford 20M Coupé bestaunen, während am Stand des Deutschen Automobil Veteranen Clubs der letzte überlebende Goliath GD 750 Woody in unrestauriertem, fahrbereitem Originalzustand gezeigt wurde. Einige der auf den Clubpräsentationen ausgestellten Klassiker dürften ebenfalls so manchen Betrachter in Schwierigkeiten gebracht haben, wenn er sie denn identifizieren wollte. Der Thurner RS, ein Sportcoupé mit Flügeltüren und NSU-Technik, war gleich zweifach auf der Messe zu bewundern, während die Alt-Opel-Freunde mit Stolz einen Ranger präsentierten - jenes Schwestermodell des Opel Rekord C, das GM in Montagewerken in Biel bei Basel und Antwerpen produzieren ließ.

Die Fahrzeuggeschichte von Karmann
Die Sonderausstellungsfläche in Halle 6 der Messe hatte in diesem Jahr den größten deutschen Karosseriebaubetrieb, die Firma Karmann, zum Thema. Für die Bremer Messe öffneten die Osnabrücker ihr Werksmuseum und stellten einige sehr interessante Exponate zur Verfügung, die den Messebesuchern mit launischen und informativen Erklärungen des deutschen Motorjournalisten Wolfgang Blaube näher gebracht wurden. Viele Messebesucher konnten auf der Sonderschau zum ersten Mal sehen, dass Karmann sich keineswegs nur mit Fahrzeugen aus Wolfsburger Produktion beschäftigt hat, sondern neben den bekannten Karmann Ghia Coupés und Cabrios auch Modelle der Rüsselsheimer Konkurrenz mit dem Blitz im Logo gebaut hat. Nie in Produktion gegangene Einzelstücke und Studien ergänzten die Sonderschau, die auf der direkt daneben liegenden Präsentationsfläche der AutoStadt ihre Fortsetzung fand. Die Wolfsburger sind in diesem Jahr mit einer Auswahl von durch Karmann produzierten Modellen nach Bremen gekommen, aus der beispielsweise der Karmann GF Buggy aus der Zusammenarbeit mit dem VW-Magazin 'Gute Fahrt' oder der Corrado G60 zu nennen sind.

Insgesamt kann man bilanzieren, dass die Bremen Classic Motorshow auch in diesem Jahr den Weg an die Weser mehr als wert war. Eine gelungene und hochinteressante Mischung an Fahrzeugen aller Preisklassen präsentierte sich den Besuchern an drei Tagen. Es gab viel Gelegenheit zu reichlich PS-Gesprächen und die Vorfreude auf die kommende Oldtimersaison dürfte jetzt auch beim letzten Automobilisten geweckt sein.

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Fotograf: Kay Andresen

 

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