Messerundgang: Auto Salon Genf 2017

Geschrieben von Martin Englmeier am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Der etwas andere Rundgang in Genf
- unsere persönlichen Highlights 2017
- kontroverse Gedanken zu Themen wie
- ist autonomes Fahren die Zukunft?
- wohin soll uns der PS-Trend führen?
 
Verkehrschaos Genf
Wer am ersten Pressetag des Genfer Salons pünktlich auf der Messe erscheinen will, muss früh aufstehen und seine Unterkunft im Vorfeld strategisch klug wählen. Auf der französischen Seite (direkt hinter dem Genfer Flughafen) hält sich das Verkehrschaos noch einigermaßen in Grenzen. Genf selbst hingegen erstickt an der Blechlawine. Die Schweizer sind ja dem Autofahrer ohnehin nicht sehr freundlich gesonnen. Bei Geschwindigkeiten jenseits der 200-km/h-Marke kann man hier ganz schnell im Gefängnis landen.

Da mutet es schon sarkastisch an, wenn man bei McLaren vor dem neuen 720S steht, der aus dem Stand heraus die auf Schweizer Autobahnen zulässige Höchstgeschwindigkeit in weniger als vier Sekunden passieren kann. Für den Knastaufenthalt, also die Beschleunigung von 0 auf 200, dauert es weniger als acht Sekunden. Damit ist man schon in einer ziemlich elitären Gesellschaft. Um das zu unterbieten bedarf es schon eines Aston Martin Valkyrie, Koenigsegg Regera oder Mercedes-AMG Project One.

Understatement?
Illustre Namen. Dem Einfallsreichtum sind kaum Grenzen gesetzt. War Ihnen klar, daß Bentayga ein Kofferwort aus Bentley und Taiga ist? Man erfährt zwar nicht was der dazugehörige Wagen mit dem einen oder dem anderen zu tun hat, aber die Bezeichnung der erhältlichen Farben folgt ähnlichen linguistischen Kunstgriffen: 'Big Skies', 'Roulette' und 'Stonecutter' sind übersetzt Blau, Rot und Grau. Profan oder gar unauffällig? So was geht gar nicht. Markenkenner werfen nun eventuell die Namensbedeutung des Roque Bentayga auf Gran Canaria an - aber kannten Sie diesen Berg wirklich schon, bevor Bentley den SUV brachte?

Understatement war vorgestern. Selbst ein BMW 520d Touring bietet sich mit M Performance Paket dar, mit Chromleisten und Auspuffblende. Wie war das früher beim M5 mit Turbinenrad und schnödem Doppelrohrauspuff? Ist das einfach nur Vergangenheit oder war es doch ein Paralleluniversum? Aus letzterem scheint auch die Studie Mercedes-AMG GT Concept zu stammen. In Anbetracht der 22 Zoll großen Felgen in Chromoptik stand das Thema 'ungefederte Massen' nicht allzu weit oben im Lastenheft.

Fahrspaß
Fahrspaß definiert sich heute eben anders. Sofern man überhaupt noch selbst sein Gefährt pilotieren darf. Der Volkswagen Sedric will uns lieber chauffieren und belustigen während der Fahrt. Autonomer Nahverkehr für jedermann ist laut vielen Herstellern einfach die Zukunft! Da muss man sich schon sehr beeilen, ansonsten fährt der Zug, pardon, das autonome Auto einfach davon und man kommt nicht mehr rauf auf's Trittbrett. Aber was wenn ich doch noch selber fahren will? Vielleicht sogar selber schalten?

Ab zu Porsche, dort steht er. Der Gottes-Tisch aller Puristen. Der neue GT3. Handgeschaltet, gesaugt, aufgedreht und natürlich bis ins kleinste Detail wieder perfektioniert, obwohl schon sämtliche Vorgänger als Leitbild des Sportwagens galten. Es braucht keine neue Bühne, einfach das Beste noch besser machen. Sollen die anderen sich doch im Leistungswahn zerfleischen, da machen die Schwaben nicht mit. Zumindest nicht bis zur IAA, wo ein gewisser GT2 RS stehen wird. Natürlich nur doppelgekuppelt, ähnlich wie das Ausstellungsfahrzeug des neuen GT3 in Genf...

Leistung und Gewicht
Aber bitte, jetzt Hand aufs Sportfahrerherz: Wo soll es noch hinführen? Der Ferrari 812 Superfast drückt wahnsinnige 800 PS auf seine Kardanwelle. Den gleichen Wert wie der vor zwei Jahren als Hypercar vorgestellte La Ferrari im reinen Verbrennermodus erreichte. Der hatte freilich noch zusätzlich einen Boost durch den Elektromotor. Selbigen hat Ferrari inzwischen auch für die Nachfolgegeneration des 488 angekündigt. Will heißen: Die knapp 800 Newtonmeter Drehmoment der jetzigen Luftpumpe reichen einfach nicht mehr.

Wie muss sich da der Pilot einer neuen Alpine A110 fühlen, die sich mit putzigen 320 Newtonmetern auf dem Niveau eines mittelstarken Kompaktwagens mit Dieselmotor bewegt? Es ist ihm egal. Erstens ist die Alpine mit 1.100 Kilogramm Leergewicht der leichteste alltagsfähige Flitzer am Markt und zweitens fährt man eh keinen Diesel mehr. Nie mehr. Diesel stinkt und ist giftig. Aber in einen Selbstzünder verliebt man sich doch ohnehin nicht. In die neue Bleu Alpine dagegen schon. Und sie macht auch Spaß ohne auf die Anklagebank zu müssen. Merci Renault.

Auf jeden Fall freuen wir uns bereits jetzt auf die nächste Ausgabe des Genfer Salons. Nur hier trifft man die absoluten Exoten von Pagani, Koenigsegg, Italdesign, SCG, David Brown Automotive, Noble, Morgan, McLaren, Ferrari, Aston Martin, Radical und co auf engstem Raum unter einem gemeinsamen Hallendach. Falls Sie eines der Autos aus unserer Bildergalerie näher interessiert finden Sie es fast sicher auch in einem Einzelbericht auf unserer Webseite. Geben Sie einfach den Namen oben in die Suche ein.
 

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Fotografen: Matthias Kierse (13 Fotos), Kay Andresen (39 Fotos), Niklas Emmerich (12 Fotos), Keno Zache (27 Fotos)

 

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