Messerundgang: Techno Classica Essen 2017

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Weltmesse für Oldtimer und Youngtimer
- Highlights bei Herstellern und Händlern
- von Vorkriegsklassikern bis Sportwagen
- Club-Displays diesmal etwas eingeschränkt
- mehr als 185.000 internationale Besucher
 
Jedes Jahr im Frühjahr orientiert sich die weltweite Klassikerszene nach Essen zur Techno Classica, der Weltmesse für Oldtimer, Youngtimer und Exoten. Über 185.000 Gäste aus Europa, Amerika, Asien, Afrika und Australien fanden sich diesmal ein, um wahlweise zu gucken, zu stöbern oder einzukaufen, wobei hier sowohl komplette Fahrzeuge als auch Ersatzteile, Literatur und sonstige Automobilia angeboten werden. Dieses Jahr standen insgesamt 18 Hallen inklusive zwei Traglufthallen sowie vier Freigelände bereit, die allesamt prall gefüllt waren.

Diverse Highlights auf den Herstellerständen
Immer mehr Autohersteller entdecken den Klassikermarkt als wichtigen Bestandteil der eigenen Geschichte und zugleich gute Einnahmequelle. Somit verwundert es kaum, dass Mercedes-Benz und Jaguar inzwischen ab Werk Old- und Youngtimer verkaufen oder das neben Ferrari auch Lamborghini und Porsche Werksrestaurierungen anbieten. Derweil zeigte Opel den neuen Insignia erstmals in Deutschland im Kreise historischer Oberklassemodelle wie eines 1935er Admiral und in Halle 3 tauchte erstmals die neu gegründete FCA-Heritage-Abteilung von Fiat, Alfa Romeo, Abarth und Lancia auf - unter anderem mit einem Lancia D24, der 1953 und '54 unter anderem bei der Carrera Panamericana, der Targa Florio oder der Tourist Trophy dabei war. Mercedes-Benz stellte sein Display unter sportliche Gesichtspunkte und zeigte beispielsweise eines der legendären 300 SLR 'Uhlenhaut' Coupés und einen CL 55 AMG aus der auf 55 Exemplare limitierten F1 Edition. Derweil stellte der Kasseler Händler Eberlein im Auftrag von Ferrari den neuen 812 Superfast erstmals auf einer deutschen Messe vor - zumindest an den ersten beiden Tagen.

'40 Jahre 928' lautete das Motto bei Porsche in Halle 7, wo aus diesem Grund unter anderem ein besonderer, im Werk zum Viersitzer umgebauter 928 aus dem Vorbesitz von Ferry Porsche gezeigt wurde. Nebenan bei Škoda fanden sich diverse Aerodynamik-Vorreiter diverser Jahrzehnte, darunter der einzigartige 935 'Dynamic' von 1935. Audi stellte den diesjährigen Auftritt unter das Markenlogo von NSU, da die beiden Modelle Ro 80 und TTS jeweils vor 50 Jahren ihre Premiere erlebten. Ein frisch restaurierter Miura SV und ein Rohrrahmen-Chassis eines Countach LP400 demonstrierten das Können der neuen 'Polo Storico'-Abteilung von Lamborghini. Bugatti kündigte drei Supersportwagen der letzten 25 Jahre an, muss jedoch bei Gelegenheit mal erklären, wie ein Type 35 in dieses Motto passt. Volkswagen als Konzernmutter überraschte mit zwei Wölfen im Schafspelz: Einem von 71 gebauten Golf II Limited sowie dem 210 PS starken Unikat Corrado G60 16V. Am anderen Ende des Messegeländes zog die BMW Group von der permanenten Halle 12 in die Traglufthalle 14 um. Neben einem kombiartigen Rolls-Royce Silver Wraith mit Karosserie von Freestone & Webb zeigte sich hier der BMW 'Goldfisch'. Dabei handelt es sich um ein Motorenprojekt der späten 1980er Jahre, bei dem die Ingenieure an den gerade frisch präsentierten V12 des 750i vier weitere Brennräume anhängten und diesen in die Karosserie eines 735iL pflanzten. Aufgrund von Platzmangel wanderten die Kühler in den Kofferraum.

Sie suchen ein exotisches Auto? In Essen kein Problem
Noch mehr interessante Fahrzeuge stehen derweil auf den Ständen der diversen Händler, die aus Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Essen anreisen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob sie ein Vorkriegs- oder Nachkriegsauto, einen Alltagsklassiker oder ein Sammlerstück, eine Limousine oder einen Sportwagen suchen. Neben den typischen Vertretern aus den Häusern Porsche, BMW und Mercedes-Benz rücken immer mehr 80er-Jahre-Autos in den Fokus von Händlern und Kunden, wobei hier wie immer erst einmal seltene Stücke wie der Lancia Delta HF Integrale, Audi Sport quattro oder der Mercedes-Benz 190 E 3.2 AMG ins Rampenlicht gerückt werden. Auch Exoten der 1990er wie ein Venturi 260, eines von 14 gebauten Porsche 993 Turbo Cabrios oder die erste Generation des Aston Martin Vanquish tauchen inzwischen auf Klassikermessen auf, ebenso wie neuere Sportwagen vom Schlage Maserati MC12, Ferrari Enzo, Porsche Carrera GT, Carlsson C25 oder Porsche 911 (991) R gingen auf Kundenfang. Ebenso diverse Rennfahrzeuge aus fast allen Jahrzehnten des Automobilbaus.

Clubs, Coys-Auktion und Sonderausstellungen
Einen guten Anteil Salz in der Messesuppe bringen die Clubs diverser Marken und Modellreihen mit. Allerdings zeigten sich deren Stände unserer Auffassung nach in diesem Jahr weniger schmuckreich und durchgeplant, wie in manchen Vorjahren. Dies dürfte allerdings auch damit zusammenhängen, dass mit der Halle 9.1 ein großer Bereich durch Bauarbeiten fehlte und in der Ausweich-Traglufthalle 13 weniger Möglichkeiten bestanden. Dennoch schafften es ein paar Clubs, ihre Exponate in ein ordentliches Licht zu rücken. So beispielsweise der VW Kübel-Klub oder die Panther IG mit ihrem 'Pink Panther'. Ganz ohne Schmuck kam das Fiat 1900 Granluce Coupé am Stand des Fiat-Raritäten-Clubs aus. In seinem Baujahr 1953 kostete ein VW Käfer 3.700,- DM und ein BMW 501 immerhin 15.200,- DM, während Fiat volle 16.000,- DM für das große Coupé aufrief. Ganz andere Sorgen hatte man Jahrzehnte später auf der anderen Seite der Mauer. DDR-Fahrzeuge wurden jedoch zum Teil ins Ausland exportiert, wie ein rechtsgelenkter Wartburg 353 beweist. Ebenso kamen wenige Westautos wie der VW Golf I ganz offiziell in die DDR hinein.
 
Im oberen Bereich der Gruga-Halle standen zum zweiten Mal in Folge die Fahrzeuge der großen Coys-Auktion. Neben Allerweltsfahrzeugen im durchschnittlichen Zustand fielen schnell auch ein paar Highlights ins Auge. So boten die Briten einen Maserati 3500 GT, einen Porsche 959 in nachträglicher Cabrio-Version und einen Nissan 240RS in Rallye-Spezifikation an. In Halle 6 rund um den Stand der Messegesellschaft SIHA zeigten sich sechs Fahrzeuge der 1950er, die beim Grand Prix von Monaco an den Start gegangen sind. Darunter fand sich neben einem Mercedes-Benz W 196 auch ein Maserati 250F, mit dem Juan Manuel Fangio in Monte Carlo 1957 mit über 25 Sekunden Vorsprung gewann. Eine weitere Sonderausstellung widmete sich im Foyer zu Halle 3 der Elekromobilität und zeigte anhand des ältesten Elektroautos - einem Ayrton & Perry's von 1881 - auf, dass es diese Technologie bereits vor der Erfindung des benzingetriebenen Autos gab.
 
2018 wandert die Techno Classica zum 30-jährigen Jubiläum ein paar Wochen nach vorn und findet bereits vom 21. bis 25. März statt. Leider exakt am selben Wochenende wie die Retro Classics in Stuttgart, was nicht nur wir als Berichterstatter schade finden, sondern auch diverse Messebesucher und nicht zuletzt Aussteller, die sonst auf beiden Messen zugegen sind.

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Fotograf: Matthias Kierse

 

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