45. AvD Oldtimer Grand Prix - 90 Jahre Nürburgring

Geschrieben von Matthias Kierse am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Klassikerevent halb so alt wie Nürburgring
- durchwachsene Wetterlage zum Jubiläum
- Stände von Herstellern, Teams & Händlern
- automobile Highlights von Isdera & Porsche
- große Fotogalerie mit 126 Impressionen
 
Für Ungeduldige direkt zu Anfang: Unsere große Fotogalerie finden Sie am Ende dieses Artikels. Vom 11. bis 13. August fand am Nürburgring zum 45. Mal der AvD Oldtimer Grand Prix statt - und das im Jubiläumsjahr des Nürburgrings, der sein 90-jähriges feiert. Mit anderen Worten: Halb so lang, wie es die Eifelachterbahn gibt, gibt es auch das Klassikerevent. Und immer wieder weiß diese Veranstaltung mit Überraschungen aufzuwarten. Diesmal war es zum einen das Wetter und zum anderen einige automobile Highlights, doch dazu mehr im Verlauf des Textes. Wettertechnisch zeigte sich die Eifel eher von ihrer britischen Seite: Freitag und Samstag standen immer wieder im Zeichen von mehr oder weniger starken Regenschauern, dafür präsentierte sich der Sonntag überwiegend im strahlenden Sonnenschein. Da es bekanntlich kein falsches Wetter, sondern allenfalls falsche Bekleidung gibt, haben wir uns rund um die Strecke weitläufig umgesehen und manch schöne Impressionen eingefangen.

Wie herum sollte man laufen? Überall hin!
Neulingen einen Tipp zu geben, was man sich beim Oldtimer Grand Prix (OGP) zuerst und was zuletzt ansehen sollte, geht nicht. Überall im Fahrerlager, auf den Besucher- und Club-Parkplätzen stehen tolle Autos, kombiniert mit der Action auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings. Man weiß also streng genommen nicht, wohin man sich wenden soll, ohne eventuell am anderen Ende des Geländes etwas zu verpassen. Zum Glück parken die meisten Besucher nicht nur minuten- sondern eher stundenlang, sodass sich manche Chance ergibt, ihre Klassiker und Exoten zu begutachten. Beim Eintritt durch das Alte Fahrerlager und den Tunnel unter der Strecke kam man wie in den Vorjahren direkt zu Jaguar Land Rover Classic. Neben den 'Reborn'-Projekten von Range Rover Serie 1 und Jaguar E-Type fand man hier auch einen Jaguar XKSS aus der Continuation Series und anlässlich des 25-jährigen Jubiläums den Supersportwagen XJ220.

Mercedes-Arena im Zeichen von Porsche
Weiter hinten im Fahrerlager, genauer in der sonst für Rennen genutzten Mercedes-Arena standen wie immer Porsche Classic, der Ferrari Club Deutschland, der Maserati Club Deutschland, der Alfaclub und Isdera. Porsche lud den bekannten US-Modemacher und Porsche-Sammler Magnus Walker ein und feierte 40 Jahre 928 mit drei schönen Exponaten im Zelt sowie einem französischen Fahrzeug, mit dem ein Vater und seine zwei Söhne kürzlich die Welt umrundeten und einem weißen 928 aus Großbritannien, den die dortigen Porsche Classic Händler für die diesjährige Saison des 70s Roadsport Championship des HSCC aufgebaut haben. Drumherum parkten Fahrzeuge aus der gesamten Porsche-Historie, vom 356 bis zum 918 Spyder, vom Diesel-Schlepper bis zum Cayenne. Ganz anders das Bild nebenan bei Ferrari. Im Programmheft kündigte man groß eine Parade der schönsten Fahrzeuge aus Maranello anlässlich des 70. Markengeburtstages an, die am Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag stattfinden sollte. Was die Zuschauer dann jedoch zu sehen bekamen, war mit "peinlich", wie es ein Familienvater vor mir ausdrückte, noch nett umschrieben. Eine Horde achtzylindriger Ferrari der letzten 15 Jahre wurde minimal aufgelockert von drei Zwölfzylindermodellen aus dem gleichen Zeitraum sowie einem 330 GTS als einzigem Klassiker. Am Samstag gesellte sich immerhin noch der limitierte 458 Speciale A hinzu. Wer mit Bildern wie bei den 70-Jahr-Touren in Großbritannien gerechnet hatte, konnte hier nur enttäuscht sein.

Absolutes automobiles Highlight von Isdera
Auch das Aufgebot an Maserati blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, was wohl hauptsächlich am Wetter gelegen haben dürfte. Dafür kamen umso mehr Alfa-Freunde auf die Stellfläche des Clubs, wobei auffiel, dass die neuen Modelle vom Schlage Giulia und Stelvio offenbar den Nerv der Kunden treffen. Diverse Klassiker und zwei 8C Competizione rundeten hier das Bild ab. Ein absolutes Highlight stand indes freitags und samstags auf der kleinen Stellfläche des deutschen Sportwagenbauers Isdera. Während Spider 033i und Imperator 108i in unterschiedlichen Ausführungen zum gewohnten Anblick beim OGP zählen und auch der von Firmengründer Eberhard Schulz gern gefahrene Autobahnkurier 116i stand in den letzten Jahren immer für Fotos bereit. Nun jedoch gelang es dem Macher ein Einzelstück aus einer Privatsammlung in der Schweiz zurückzukaufen und anschließend in den Auslieferungsstand zurückzuversetzen. Anfang der 1990er Jahre entstand mit dem Commendatore 112i ein Supersportwagen mit dem damals brandneuen V12-Triebwerk von Mercedes-Benz, allerdings kombiniert mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe anstelle der in der S-Klasse verwendeten Automatik. Dieses Unikat ging in die Schweiz und erhielt dort vom neuen Besitzer andere Felgen und nicht unbedingt zum Grundkonzept passende Außenspiegel, was bei unwissenden Betrachtern die Vermutung aufkommen ließ, es gebe zwei Exemplare des Commendatore. Tatsächlich existiert ein zweiter Rohrrahmen dieses Modells, der jedoch seit inzwischen über fünf Jahren von einem Enthusiasten nach und nach erst in ein fertiges Auto verwandelt wird.

Im ganzen Fahrerlager Hingucker verteilt
In den Tiefen des Fahrerlagers fanden sich auch die Klassikabteilungen von Škoda und Volvo mit faszinierenden Fahrzeugen. Doch auch der Blick in die anderen Zelte und Pavillions, die von den angereisten Rennteams, Privatleuten und Händlern aufgebaut worden waren, lohnte sich so gut wie immer. Ob klassische Straßenfahrzeuge, Rennwagen der vergangenen acht bis neun Jahrzehnte oder Formel-Monopostos, für jeden Autofan war mindestens ein passendes Auto dabei. Dass Wagen wie der Porsche 550 Spyder, der Ford GT40 oder der Porsche 917K dabei dann auch wirklich Originale und nicht (mehr oder weniger) liebevoll gestaltete Repliken sind, versteht sich annähernd von selbst. Zwei besondere Schwerpunkte gab es diesmal. Zum einen fand täglich ein Showlauf mit klassischen Rallyefahrzeugen aus der 'Slowly Sideways'-Truppe statt, die eifrige carsdaily.de-Leser bereits vom Eifel Rallye Festival kennen, zum anderen gab es gleich zwei Wertungsklassen für klassische Tourenwagen aus den Zeiten der alten DTM und STW sowie artverwandter Meisterschaften in anderen Ländern. Eine dieser Klassen fuhr auf Gleichmäßigkeit, setzte sich also selbst eine Rundenzeit und musste diese in den anschließenden Runden so gut wie möglich bestätigen, während die andere Gruppe in ihren Läufen voll auf Sieg fuhr. Ein wahrer Ohrenschmaus, wenn die alten DTM-Renner vom Schlage M3 E30, 190 E Evo, Omega 5000, 155 V6 TI oder C-Klasse in Richtung erster Schikane anbremsen.
 
Porsche 917K gast an
Das bereits zu Beginn unseres Textes angesprochene Alte Fahrerlager außerhalb des Strecken-Infields bot wie jedes Jahr den Vorkriegsklassikern und einigen Rennwagen der 1950er und 60er Jahre ein Dach über dem Kopf. In den klassischen Boxengaragen mit Riffelblechverkleidung wirken diese Wagen besonders stilvoll. Die Fahrzeuge der Ära vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren ihre Runden auf der Rennstrecke ebenfalls auf Gleichmäßigkeit, was die Fahrer der Kompressor-Mercedes nicht vom Einsatz des Gaspedals und den damit verbundenen akustischen Einlagen des Gebläses abhielt. Ganz andere Geräusche gaben schließlich die Teilnehmer der Rennklasse 'FIA Masters Historic Sports Car Championship' von sich. Großvolumige V8- und hochdrehende Vierzylindermotoren sorgen in den Sportprototypen der späten 1960er und frühen 70er für den Vortrieb. Ein Fahrzeug stach hier jedoch aus der Menge hervor: Der weiter oben schon erwähnte Porsche 917K hatte es in den regnerischen Trainingssitzungen am Freitag und Samstag eher langsam angehen lassen und riss am sonnigen Sonntag von Platz 26 aus kommend die Gashähne des Zwölfzylinder-Boxermotors auf den Geraden weit auf. Zum Sieg reichte es, auch aufgrund eines Drehers, nicht. Dennoch war er auch auf Endrang sechs zweifelsfrei einer der Publikumslieblinge.
 
Falls Sie nicht bereits nach unserem Einleitungssatz in die Bildergalerie hinuntergescrollt haben, wünschen wir Ihnen nun viel Spaß mit unseren Impressionen vom 45. AvD Oldtimer Grand Prix. Für uns steht fest, dass wir auch im kommenden Jahr wieder vor Ort sein werden.

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Fotografen: Matthias Kierse, Kay Andresen

 

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