Messerundgang: Bremen Classic Motorshow 2018

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Breites Angebot an Old- und Youngtimern
- sowohl Exoten als auch Alltagsklassiker
- langsam rückläufige Preise zu verzeichnen
- mit schöner Sonderausstellung zu GTs
- diverse Marken-Clubs und -IGs vor Ort
 


Am letzten Wochenende war es wieder so weit. Mit der Bremen Classic Motorshow begann die Oldtimersaison 2018 auch in Deutschland. In den gewohnt gut besetzten Hallen bot sich in diesem Jahr erneut eine vielseitige Mischung an interessanten Young- und Oldtimern, ergänzt durch eine sehr gelungene Sonderschau und die Verkaufsfläche für Klassiker mit auffallend niedriger Laufleistung. Natürlich stand auch das Messeparkhaus wie in jedem Jahr wieder als private Fahrzeug-Verkaufsfläche zur Verfügung.

Preisspirale dreht sich leicht rückwärts
Eine Tatsache, die sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf einigen Auktionen sowie in Gesprächen mit Oldtimerhändlern andeutete, wurde jetzt in Bremen Gewissheit: Die teilweise ins Absurde abdriftende Preisspirale auf dem Oldtimermarkt ist nicht nur an ihrem Ende angekommen, die Preise bewegen sich bis auf einige Ausreißer wieder deutlich in realistischeren Bereichen. Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits eine gewisse Stagnation der Preise auf damals allerdings noch sehr hohem Niveau feststellen konnten (carsdaily.de berichtete mehrfach) sind in diesem Jahr deutlich gesunkene Preisforderungen sowohl der privaten Verkäufer als auch der Händler zu verzeichnen. So stand ein Ferrari 308 GTSi für moderate 74.500,- € zum Verkauf bei einem dänischen Händler, für den in den vergangenen Jahren garantiert eine sechsstellige Summe gefordert worden wäre. Einen sehr schönen Ferrari 208 GTB, eine Sonderversion für Italien mit einem nur zwei Liter großen V8-Motor, konnte man bereits für 59.000,- € in seine Garage stellen.

Nicht nur Quantität, auch Qualität
Beeindruckend war in diesem Jahr die Breite und die Qualität des Angebots. Konnte man in den vergangenen Jahren eine zunehmende Konzentration der besonders gefragten Modelle wie Mercedes-Benz SL 'Pagode' oder Porsche 911 aller Baujahre feststellen, so konnten die Besucher sich in diesem Jahr an einigen sehr seltenen Exponaten der Automobilgeschichte erfreuen. Wer kennt schon einen Swallow Doretti? Diesen zweisitzigen Roadster mit Technik des Triumph TR2 aus dem Baujahr 1954 konnte man nicht nur bewundern sondern auch erwerben. Die Chassisnummer 171 von insgesamt nur 276 gebauten Exemplaren stand für 58.500,- € bei einem Händler im Angebot. Neben weiteren Exoten wie einem Facel Vega HK 500, einem Mercedes Benz 450 SLC 5.0 in Motorsportoptik oder einem Aston Martin Lagonda fielen zwei besondere Fahrzeuge auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
 
Zwei besondere automobile Highlights
Zum ersten ein originaler Audi Sport quattro, die extreme Homologationsversion für die Rallye-Weltmeisterschaft, von der lediglich 220 Exemplare entstanden sind. Das ausgestellte und auch zum Verkauf stehende Fahrzeug verfügt über eine wohl einmalige Historie, befindet es sich doch seit der Auslieferung im August 1985 in deutschem Erstbesitz und ist von Anfang an als Liebhaberfahrzeug ohne Winterbetrieb gefahren worden. Für den in entspechendem Zustand dastehenden Audi wurden allerdings auch 475.000,- € aufgerufen. Die andere Besonderheit führt den Betrachter ebenfalls zurück in die 1980er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es handelt sich um einen McBurnie California Daytona Spider und damit um exakt jene Replica des Ferrari 365 Daytona Spider auf Basis der Corvette C3, in der ein gewisser Don Johnson alias Sonny Crocket in der ersten Staffel der amerikanischen Kult-TV-Serie 'Miami Vice' auf Verbrecherjagd gegangen ist. Das andere Ende der Angebotsbreite bildeten einige Scheunenfunde, die in genau dem Zustand gezeigt und zum Verkauf angeboten wurden, wie man sie aus eben diesen Scheunen gezogen hat.
 
Wartburg im Neuwagenzustand
Passend zu dem breiten Angebot in den Hallen zeigten sich auch die privaten Offerten im Parkhaus interessant und hochwertig in einer beachtlichen Bandbreite. Neben einigen Exoten wie einem Volkswagen SP2 Sportcoupé aus brasilianischer Produktion oder einem in Polen erstklassig restaurierten Lotus Europa standen hier auch sehr schöne Alltagsklassiker im Angebot, die man teilweise schon sehr lange nicht mehr auf den Straßen gesehen hat. Genannt seien ein Opel Ascona Voyage, die Kombivariante der ersten Generation des Ascona, ein Renault R30 aber auch Arbeitsmaschinen wie eine Volkswagen T2 Doppelkabine, die von der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa stammte. Das absolute Highlight des Parkhauses - zumindest in den Augen des Autors dieser Zeilen - bildete jedoch ein orangener Wartburg 353 Tourist, der mit Überführungskilometern in Neuwagenzustand angeboten wurde. Da das Fahrzeug seine Erstzulassung leider erst im Jahr 2017 in Serbien erhielt, wird man diesen einmaligen Wartburg in absehbarer Zeit kaum auf deutschen Straßen zu sehen bekommen.
 
Viele Markenclubs und -IGs vor Ort
Wie in jedem Jahr waren auch 2018 wieder zahlreiche Markenclubs und Interessengemeinschaften mit sehr liebevoll gestalteten Ständen auf der Bremen Classic Motorshow vertreten, die die jeweiligen motorisierten Schätze in passendem Licht präsentierten. So konnte der Besucher am Stand des Auto Union Clubs eine interessante West-Ost Kombination bewundern, hatte man doch hinter einen westdeutschen DKW Junior einen kleinen Weferlinger Heimstolz Wohnwagen aus der DDR gehängt, der sich besonders liebevoll restauriert zeigte. An anderen Ständen wurden Picknickszenen nachgestellt oder alte Urlaubstouren mit zeitgenössischen Koffern und Dackgepäck.
 
Sonderausstellung zum Thema "GTs"
Ein Höhepunkt der Bremen Classic Motorshow ist in jedem Jahr die Sonderausstellung, die sich 2018 den Granturismo der 60er und 70er Jahre verschrieben hatte. Unser Kompliment geht an die Organisatoren für eine tolle Bandbreite an wunderschönen Fahrzeugen aus einer goldenen Ära, die sich in Bremen präsentierten. Angeführt von einem Monteverdi 375 L Highspeed Coupé konnte man Ikonen der Automobilgeschichte wie einen Maserati Ghibli, einen Ferrari 365 GT 2+2, einen Jensen Interceptor oder auch das deutsche Glas V8 Coupé, aber auch Raritäten wie einen Gordon-Keeble GT bewundern. Eine Besonderheit stellte der im Rahmen dieser Ausstellung präsentierte Citroën SM dar, kann das Fahrzeug doch den ehemaligen Generalsekretär der russischen KPdSU, Leonid Breshnew als Erstbesitzer vorweisen. Jedes Fahrzeug der Sonderschau stellte sich mit launisch geschriebenen, aber sehr informativen Texten aus der Feder des deutschen Motorjournalisten Wolfgang Blaube den interessierten Besuchern vor.

Insgesamt kann man bilanzieren, dass Bremen am ersten Wochenende im Februar erneut eine Reise wert war, in 2018 vielleicht sogar noch mehr als in den vergangenen Jahren.

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Fotografen: Carsten Tholen (7 Fotos), Hella Andresen (14 Fotos), Kay Andresen (70 Fotos)

 

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