Messerundgang: Automobilsalon Genf 2018

Geschrieben von Kay Andresen am . Veröffentlicht in Veranstaltungen

- Interessante Weltpremieren
- Exoten und Supersportwagen reichlich vertreten
- Elektromobilität gewinnt an Bedeutung
- Diesel auf dem Rückzug
- erste Hersteller bleiben der Messe fern
 


Nach dem Messerundgang auf der letzten IAA im September des vergangenen Jahres lautete das Fazit eines Kollegen bei carsdaily.de: „Aber der nächste März nähert sich in großen Schritten und in Genf können wir endlich wieder träumen!". Diese Worte in Erinnerung fuhr das Team unserer Redaktion mit gespannter Erwartungshaltung in die Hallen des Palexpo am Lac Léman zum Besuch des diesjährigen Genfer Automobilsalon. Da die Eindrücke der einzelnen Redakteure durchaus unterschiedlich sind, bieten wir Ihnen, liebe Leser, vorab einen Rundgang durch die insgesamt 6 relevanten Hallen der Messe, um dann im Anschluss jedes Teammitglied seine persönlichen Gedanken zum Salon 2018 verfassen zu lassen.

Beginnen wollen wir den Messerundgang in Halle 1. Bereits in dieser Halle konnten die Besucher die ersten Highlights erleben. Wie zu erwarten, bildete bei den Grossserienherstellern wie Hyundai oder Audi die Elektromobilität erneut einen Schwerpunkt des Messeauftritts, bei den Koreanern ergänzt durch den Nexo mit Brennstoffzelle und eine interessanten Studie eines grossen sportlichen Coupés. Etwas eingequetscht zwischen Hyundai und Porsche konnte man das neue Designstudio GFG-Style entdecken, das der italienische Designer Giorgetto Giugiaro nach dem Verkauf seiner Firma Ital Design gemeinsam mit seinem Sohn Fabrizio gegründet hat. Neben der Studie Testudo auf Basis des Chevrolet Corvair aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts präsentierten die Italiener ein mit der chinesischen Firma Envision Energy entwickeltes Konzept eines Elektromobils mit dem Namen Sibylla.

Sportwagenfans trieb es jedoch gleich weiter zu Porsche, die mit dem 991 GT 3 RS ein absolutes Highlight des diesjährigen Salons präsentierten. Vorgestellt in einem giftigen Grün Metallic, das man eigentlich eher aus Sant'Agata Bolognese kennt, zog der neue Extremsportler aus Zuffenhausen alle Blicke auf sich. Es ist immer wieder erstaunlich, dass Porsche es erneut geschafft hat, die Messlatte mit dem neuen Modell wieder ein Stück höher zu legen. In der Begeisterung für den GT 3 RS ging die zweite Neuheit am Stand dann doch etwas unter, obwohl die Mission E Cross Turismo genannte Studie eines elektrisch betriebenen Lifestyle Fahrzeugs erheblich seitens des Ausstellers gepusht wurde. Freunde des emotionalen Automobils dürften das allerdings mit wohlwollender Zustimmung begleiten . . . Führte man von Porsche seinen Messerundgang fort, landete man automatisch bei Audi, die mit einem neuartigen Standdesign im Kinostil auf sich aufmerksam gemacht haben. Hatte man die Kinokasse passiert, so erwartete einen die neuen A 6 und A 7 Modelle, gut gemacht, doch leider formal etwas uninspiriert. Man vermisst bei Audi schon seit längerem eine Neuausrichtung des Designs. Dazu zeigten die Ingolstädter mit dem Audi e-tron die Vision eines elektrischen SUV, der in dieser Form bereits Ende dieses Jahres in die Serienproduktion starten soll.

Verlassen wir das Audi Kino, so folgten zwei weitere Mitglieder der Volkswagen Familie, beide für emotionale Fahrzeuge bekannt, doch trotzdem grundverschieden. Zuerst Lamborghini, die mit der bereits erwarteten Spydervariante des ehemaligen Nordschleifen Rekordhalters Huracan Performante aufwarteten, ergänzt durch den bereits bekannten, aber in Europa noch nicht auf einer Messe gezeigten Urus. Im weiteren Verlauf landete man britisch nobel bei Bentley, die mit einer Hybridversion des SUV Bentayga auf den Elektrotrend reagiert haben.

Die waren Highlights der Halle 1 konnten automobile Gourmets jedoch sozusagen im Infield der Halle geniessen. Neben Bugatti, die mit einem sportlich abgestimmten Chiron namens Sport an den Lac Léman gekommen sind, fanden sich hier Koenigsegg mit zwei Regera, Pagani mit ebenfalls zwei Exponaten und der dänische Hypercar Hersteller Zenvo. Die Skandinavier sorgten mit einem horizontal wie auch vertikal verstellbaren, vom Format sehr beeindruckenden Heckflügel an ihrem Modell TS 1 für einen der Hingucker der Messe. In einer abgelegenen Ecke der Halle fand der Besucher dann noch ein Auto, mit dem sicher die wenigsten auf dieser Messe gerechnet hatten, hatte doch Tesla als Hersteller seine Teilknahme abgesagt. Trotzdem stand dort ein schwarzes Model 3, jenes Elektrofahrzeug, mit dem der amerikanische Pionier dieser Antriebsart versucht, unter grössten Schwierigkeiten in die Grossserienproduktion einzusteigen. Das Fahrzeug war sogar offen, so dass man im Interieur Platz nehmen konnte. Was folgt, war pure Enttäuschung und Ernüchterung. Auf den ersten Blichk war zu erkennen, wie Tesla den anvisierten Kampfpreis von USD 35.000.- erreicht hat. Billigste Materialien, die an Ostblock Autos vor der Wende erinnern, prägen das Ambiente. Die Spaltmasse wechseln zwischen kaum wahrnehmbar bis Grand Canyon, das Pseudo Lederlenkrad ist mit klebrigem Plastik bezogen und die Verkleidung des Sitzrahmens am Fahrersitz, an der auch die Schalter der elektrischen Sitzverstellung angebracht sind, hing nur noch wackelnd in der Gegend herum. Bisher  Einige weitere Kleinserienhersteller und Designstudios ergänzten die Aussteller der Halle, bevor es weiter in die Halle 2 geht.

Hier erwarteten die Besucher neben den Volkswagen Konzern Marken Skoda, VW und Seat, erstmals mit Sporttochter Cupra als eigene Marke, ebenfalls sehr interessante Manufakturen wie beispielsweise David Brown, die eine sportliche Variante ihres Speedback GT als Weltpremiere zeigten. Dazu Ital Design mit der Roadstervariante des vor genau einem Jahr ebenfalls in Genf präsentierte Zero-Uno und Touring Superleggera mit einer Designstudie mit Namen TOURING Sciàdipersia auf Basis des Maserati Granturismo, die an ein vor 60 Jahren exklusiv für Schah Reza Pahlevi von Persien angefertigtes Maserati 5000 GT Coupé erinnern soll. An der Stelle, an der der bereits versierte Messebesucher  die deutsche Marke Opel erwartet hätte, präsentierten sich die Edelkarossen von Aston Martin mit dem Valkyrie und einer unter des Zweitmarke Lagonda gezeigten Elektrostudie. Gegenüber wurde es mit dem Fenyr von W-Motors aus den arabischen Emiraten sehr exotisch. Namhafte Tuner wie Techart ergänzten die interessanten Exponate der Halle.

In Halle 3 zeigte die schweizer Uhrenmarke TAG Heuer mit einer sehenswerte Ausstellung an historischen Rennwagen ihre Verbundenheit zum Motorsport.

Weiter in die Halle 4, in der den Messebesucher überwiegend Grossserienhersteller erwarteten, von denen einige durchaus sehenswerte Exponate mit nach Genf gebracht hatten. Angefangen mit dem Toyota Supra, die Gemeinschaftsentwicklung mit BMW, die hier im Motorsportdress zu bewundern war, über Lexus mit dem kleinen SUV UX bis zu Nissan, Suzuki und Honda. Renault dagegen zeigte mit dem EZ-GO, wie man sich der urbanen Verkehr in der Zukunft vorstellt. Den Kontrapunkt dazu bildete die Renault Tochter Alpine mit dem A 110, der zeigt, wie ein kompakter Sportwagen auch in der heutigen Zeit aussehen kann. Fast übergangslos führte es den Messebesucher in die Halle 5 mit der Markenvielfalt des FCA (Fiat-Chrysler-Automobiles) Konzerns, in der die amerikanische Marke Jeep räumlich den Schwerpunkt setzte. Mit dem Grand Cherokee Trackhawk und seinem 717 PS starken Kompressortriebwerk, der zum ersten Mal in Europa gezeigt wurde, brachten die Amerikaner ein herrlich unvernünftiges Automobil mit nach Genf. Gleich nebenan bei Dodge ging es entspechend weiter. Die Topversion des Challenger mit Namen Demon ist eigentlich ein verkappter Dragster mit Strassenzulassung (zumindest in den USA) und wartet mit 840 PS auf. Von Elektromobilität war dagegen bei dem US-Ableger von Fiat nichts zu sehen und so ging es bei den übrigen Konzernmarken weiter. Alfa Romeo zeigte den Stevio ebenso wie die Giulia in der leistungsstärksten Quadrifoglio Variante in einer nochmals verschärften NRING genannten Sonderedition. Bei Ferrari feierte die lang erwartete Sportversion des 488, genannt Pista, Weltpremiere und auch Maserati setzte mit Sondermodelle für Ghibli, Levante und Quattroporte ganz in schwarz auf die emotionale Karte. Auf der anderen Seite der Halle war wie gewohnt Ford zu finden. Hier fiel besonders auf, dass man meinte, trotz bereits gestarteter Produktion wäre es wohl ausreichend, vom GT lediglich ein Tonmodell mit nach Genf zu bringen und dieses fernab der Messebesucher an die Standwand zu hängen – Chance verpasst. Mazda dagegen zeigte mit zwei durchaus ansehnlichen Studien, wie man sich kommende Modelle der Baureihen 3 und 6 vorstellen könnte. Für die Vielfalt sorgten auch in dieser Halle die Kleinserienhersteller und Tuner wie Sin Cars oder Porsche Tuner Top Car aus Moskau.

Am Übergang zur Halle 6 gab's eine weitere Messepremiere, sowohl das Fahrzeug wie auch den Hersteller betreffend. Mit Polestar war erstmals die neue gemeinsame Elektrosparte von Volvo und dessen chinesischer Mutter Geely in Genf vertreten und präsentierte mit dem schlicht 1 genannten Erstlingswerk einen harmonisch gezeichneten GT mit technischer Basis aus Göteborg. Direkt daneben Volvo, die sich über den am ersten Pressetag der Messe verliehenen Titel „Car of the Year“ für das bis dahin kleinste SUV der Marke XC 40 freuen durften. Daneben präsentierten die Schweden als Weltpremiere zusätzlich den V 60. Gegenüber sorgte McLaren mit dem Senna für ein weiteres Messe Highlight, der in zwei optischen Varianten gezeigt wurde. Neben dem hellblau lackierten Exponat fand sich im Inneren des Standes noch ein in Sichtcarbon gestaltetes Exemplar. Dazu zeigten die Briten als Weltpremiere die Trackversion Senna GTR, von der 2019 eine limitierte Auflage von 75 Fahrzeugen gebaut werden soll. Nebenan bei Rolls Royce konnte man den neuen Phantom in drei verschiedenen Exemplaren bewundern, dazu eine Innenraumabdeckung für den Dawn, die das edle Cabrio optisch in einem Zweisitzer verwandelt. Bleiben wir noch auf der Insel, denn mit Jaguar und Land Rover war ein weiterer britischer Hersteller in der Halle 6 vertreten und hatte zwei komplett gegensätzliche Premieren am Stand. Zeigte bei Jaguar der I-Pace in die elektrische Zukunft, war bei Land Rover das Range Rover SV Coupé optisch die Rückbesinnung auf den Anfang des Begründers der SUV Klasse. Von diesem Modell, das sowohl leistungsmässig wie von Komfort und Ausstattung her den Gipfel der Marke darstellt, soll eine limitierte Auflage von 999 Exemplaren entstehen. Traditionell in dieser Halle ist ebenfalls Daimler Benz zu finden, die auch in diesem Jahr reichlich Neues mitgebracht hatten. Angefangen mit der komplett neuen A-Klasse und einem sehr moderaten Facelift der C-Klasse konnte sich der Messebesucher an der komplett neuen G-Klasse ebenso wie an der Serienversion des noch vor einem Jahr als Studie präsentierten GT AMG mit vier Türen erfreuen. Ergänzt wurde die Flut an Neuheiten durch die 650 genannte Topvariante des Maybach. Nebenan bei BMW war es deutlich ruhiger. Hier wartete der neue X4 und eine Concept M8 Grand Coupé genannte Vision eines grossen viertürigen Grand Turismo. Peugeot und Citroen hatten erstmals ihre Stände zu einem zusammengefügt, die Citroen Edeldivision DS fehlte leider komplett. Trotzdem war der neue 508 einen Besuch bei den Franzosen wert. Eine elegant gezeichnete Limousine der Mittelklasse, die ihre Käufer finden wird. Morgan zelebrierte den Abschied der Aero Baureihe mit einer letzten Variante, während Alpina mit dem direkten Draht nach München beeindruckte. Stand bei BMW der neue X 4 als Weltpremiere, so warteten die Allgäuer bereits mit ihrer veredelten Variante des kleinen SUV Coupés auf. Elektromobilität in einer extrem faszinierenden Form konnte man bei dem kroatischen Hersteller Rimac bewundern, die nach dem Concept1 ihr zweites Werk in Genf enthüllten. 1914 PS, 2300 Newtonmeter Drehmoment und 644 Kilometer Reichweite sind die Eckdaten des neuen Supersportlers von der Adria. Wandte man den Blick vom Rimac nach links, so konnte man einen der wohl polarisierendsten Tuner der Messe entdecken. Die Firma Mansory zeigte auch in diesem Jahr wieder, wie man selbst oder die Kundschaft sich veredelte Luxuskarossen vorstellen.

Insgesamt bot der Genfer Automobilsalon wieder eine unheimlich breite Vielfalt an Ausstellern, wie sie in dieser Form weltweit einmalig ist. Wir freuen uns auf Genf 2019.


Persönliche Gedanken des carsdaily.de Teams:


Martin Englmeier

Vergessen Sie all die fliegenden, autonom und elektrisch betriebenen Superautos. Die wirkliche Sensation des Genfer Autosalons 2018 findet sich am Messestand von Morgan Motor Cars: Beim Roadster mit V6 Motor kommen an der Hinterachse keine Blattfeder mehr zum Einsatz. Die Neukonstruktion verbessert spürbar den Fahrkomfort. Die allgemein umgreifende Verweichlichung macht also nicht einmal vor der Pickersleigh Road halt. Tatsächlich bleibt dem englischen Traditionsbetrieb aber keine andere Wahl: Weil es für Aero 8 und Plus 8 keine BMW Motoren mehr gibt muss zwangsläufig der Rest der Fahrzeugpalette modernisiert werden. Immerhin soll es 2019 nun sogar endlich vielleicht die Elektro Version des 3-Wheeler geben. 100 Vorbestellungen liegen schon vor. Ob das den englischen Dinosaurier noch vor dem Aussterben bewahrt?
Apropos Tod. Direkt gegenüber Morgan stehen stolz aufgereiht die Alpina Diesel. Das aktuelle Tri-Turbo Prachtstück bringt es in der stärksten Version immer noch auf 388PS, 800NM und 286 km/h Höchstgeschwindigkeit. Damit ist der D5S weiterhin der schnellste Serien Dieselgate PKW aller Zeiten. Vieles spricht dafür, daß ihm dieser Titel noch sehr lange, vielleicht sogar ewig erhalten bleibt. Denn bei den großen Herstellern wird der Selbstzünder breitflächig beerdigt. Porsche erweist sich als Vorreiter dieser Bewegung. Sämtliche Dieselmodelle sind aus dem Programm verschwunden. Dort wo noch letztes Jahr hoffnungsvoll und renditeträchtig der Panamera mit V8 Diesel stand, parkt nun das Mission E Cross Tourismo. Ein vollelektrisch betriebener Alleskönner mit optionaler Drohne im Gepäckabteil.  Zum Drehen eines Road Movies. Ob das so interessant ist?
Aber was wird heutzutage eigentlich nicht mehr gefilmt, gestreamt, gepostet und geliked? In Folge der Influenza, pardon „Influenzer“, gehen auch schnell mal die substanziellen Infos verloren. Da wird zum Beispiel ein Polestar 1 mit Sympathien überschüttet obwohl dessen Antrieb nur 10s Volllast verträgt.  Der Rimac Concept 2 mit 1900 Torque Vector PS soll die Zukunft der Supersportler repräsentieren und dabei ganz nebenbei selbst die Nürburgring Nordschleife 2mal am Stück mit einer 125 kwh Batterieladung umrunden können. Ob er jemals den Beweis antritt? Immerhin aber verzichten die Kroaten auf ähnlich dramatisches Flügelwerk wie Mclaren beim „Senna“. Hoffentlich ist dies wirklich nicht die Zukunft der Supersportler.  Sollten Sportwagen nicht auch Schönheit und Eleganz ausstrahlen? Das muss dann wohl ein anderer Autosalon gewesen sein.


Oliver Kühlein

Alle Jahre wieder, seit nunmehr 17 Jahren gibt es einen Termin, der fest und unverrückbar in meinem Kalender steht….
Der Automobilsalon in Genf – in der Kindheit lange Zeit ein Traum bis ich dann im Jahr 2001 das erste Mal dort war und er meine kühnsten Träume und Erwartungen bei Weitem übertraf. Seitdem lässt mich die Droge Genf nicht mehr los und egal, was auch immer kommen mag, Genf ist und bleibt ein Pflichttermin.
In Genf stehen die Traumautos dieser Welt und hier werden anscheinend immer noch die besten Geschäfte gemacht. Während die Hersteller wie Königsegg, Pagani, Morgan oder dieses Jahr auch erstmals Hennessy und W Motors andere Messen nicht einmal ansatzweise interessieren sind sie in Genf ebenso vertreten wie die Edeltuner dieser Welt. Genf ist mittlerweile die Hausmesse von Mansory geworden und auch die einzige Messe, an der man noch teilnimmt.

Dennoch war es dieses Jahr irgendwie anders, irgendwie nicht so richtig erklärbar, aber dennoch anders. Anders als früher ist Genf keine Pflichtveranstaltung mehr für die Kleinen und Grossen dieser Welt und auch der Genfer Automobilsalon hat mit Absagen zu kämpfen. Die Liste der Absagen ist zwar deutlich kürzer als auf der IAA oder dem Salon in Paris aber spürbar.
Dies sorgt zwar einerseits dafür, dass neue Hersteller nach Genf kommen können, bestehende Teilnehmer ihre Fläche deutlich vergrössern können aber auch dafür, dass freie Flächen gefüllt werden mussen. In Genf tat man dies ganz einfach durch die Einrichtung von Bars.

Andererseits nehmen leider auch die modernen Medien den Überraschungseffekt weg. Viele Neuheiten aus Genf sind schon lange vorher bekannt oder eben erwartbare Derivate bereits bestehender Fahrzeuge. Die einzig wirkliche Uberraschung für mich der Mc Laren Senna GTR. Vielleicht aber auch nur, weil ich im Vorfeld des Salons bewusst auf das Lesen der einschlägigen Gazetten verzichtet habe.

Welche Trendes konnte man in Genf ausmachen? Einige – ob dem wahren Autofan alle davon gefallen steht wieder auf einem anderen Blatt :
1.    Elektromobilität
2.    Autonomes Fahren
3.    SUV
4.    Individualisierung
5.    Renaissance der Legenden
6.    Fliegende Autos
7.    Kommunizierende Autos

Ja ja – Elektroautos sind wohl die Zukunft und diese nähert sich in grossen Schritten. Alle grossen Hersteller sind kurz davor Elektroautos auf den Markt zu bringen.
Was macht Elektroautos jedoch so begehrenswert? Sicher die Befriedigung des grünen Gewissens…. Wir fahren ja Emissionsfrei und natürlich auch die zukünftigen Fahrverbote für Diesel in den Städten dieser Welt.
Es wäre aber manchmal hilfreich wenn das grüne Gewissen einem keine Scheuklappen aufsetzt, sondern einmal logisch nachgedacht wird. Wie der Strom gewonnen wird ist dabei nur die eine Seite der Medaille ? Wenn jedoch ein grünes Gewissen über Menschenrechten steht und Kobalt durch Kinder in Nigeria abgebaut wird sollten wir es vielleicht doch noch einmal hinterfragen. Natürlich produziert die Batterieherstellung CO2 und natürlich wird auch dabei die Umwelt kaputt gemacht. Aber was interessiert uns die Umwelt in Afrika oder in anderen Abbaugebieten? Und ironischerweise kann der Kollege Andresen mit seinem Bentley locker 150.000km fahren bevor der CO2 Ausstoss des formidablen W12 dem eines E-Autos während der Produktion gleich kommt.
Noch Fragen ?

Autonomes Fahren – noch so ein herrlich unsinniger Trend! Wozu? Damit wir während des Auto fahrens Nachrichten schreiben können oder Filme schauen können ? Seien wir ehrlich – wenn ich gefahren werden will nehme ich mir ein Taxi und spare nebenbei noch einen Haufen Geld.
Aber wenn sogar RIMAC schon damit Werbung macht, dass ihr neuer SPORTWAGEN auch autonom fahren kann, dann stellt sich mir die Frage nach dem Sinn eines Sportwagens.

SUV – ein niemals endender Trend und es geht weiter, klein, gross, schnell, langsam – jeder will einen. Nach Bentley jetzt Lamborghini, Rolls Royce und Ferrari werden folgen. Hatten wir es nicht schonmal mit dem grünen Gewissen ? Mehr Masse, mehr Stirnfläche und schlechterer cw Wert ergeben – na was wohl – mehr Verbrauch.
Die meisten SUV’s werden zudem nur als Kindertransporter in die Schule missbraucht wo die mangelnde Übersicht sicherlich super zu gebrauchen ist. Man sieht das Kind nicht mehr , man merkt es nur noch, wenn man drüber fährt !

Individualisierung – Ein Trend der mir zugegebenermassen gefällt. Das massgeschneiderte Auto! Und auch die grossen Hersteller schaffen es Dank neuer Fertigungstechniken und entsprechender Verkaufspreise individuelle Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Das Range Rover SV Coupe ist ein schönes Beispiel dieser Entwicklung. Ich denke es werden mehr Hersteller auf diesen Zug aufspringen.

Renaissance der Legenden – manches ist eben so gut, dass es niemals stirbt oder eben wieder geboren wird. RUF schafft es dem 911 seine Würde wieder zu geben und das Fahrzeug sieht zwar aus wie ein alter 911 – strotzt aber vor modernster Technik. Sehr geil – aber leider auch zu weit weg von meinem Geldbeutel. In diesen passen wohl eher der Microlino, welcher eine moderen Interpretation der Isetta ist oder eben der e-Moke. Als Winterauto eher ungeeignet. Wobei – wir haben doch globale Erderwärmung…. Und der New Stratos schafft es nun endlich auch auf die Strasse – erfreulich – Legenden sterben doch nie – ach so und bei David Brown gibt es ja auch noch den Mini Remastered 

Fliegende Autos – was wird das nun schon wieder ? PAL-V oder die Guigiaro Drohne – schnell weiter…..

Kommunizierende Autos – ähm was bitte ? Ja – die Elektromobilität eröffnet neue Wege beim Fahrzeugdesign. Der klassische Kühlergrill entfällt und wird nicht mehr benötigt. Smart und Honda zeigen wie man diese Fläche dann nutzen kann. Der Fahrer (eher User) kann Nachrichten einspeisen, die dann an der Frontfläche erscheinen…. Wer’s braucht…

Was bleibt also als Fazit festzuhalten ? Es scheint die Autoindustrie beantwortet Fragen, die nicht wirklich gestellt wurden. Die moderne Technik macht die Fahrzeuge noch teurer als sie ohnehin schon sind – 30.000.- € für eine Mercedes A Klasse sind eine Ansage und alles was Krach macht scheint langsam zu verschwinden. Wo bleiben aber dann die Emotionen ?

Meine Favoriten sind daher recht eindeutig – Lang lebe der klassische Verbrenner und das klassische Automobil – Morgan und RUF stehen daher ganz oben auf meiner Liste.


Kay Andresen

Mit gemischten Gefühlen und etwas Skepsis bin ich in diesem Jahr zum Automobilsalon nach Genf gefahren. Bereits im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass mit Opel, den GM Marken Cadillac und Corvette, Tesla  sowie DS Automobiles aus dem PSA Konzern einige bedeutende Aussteller der Messe fernbleiben würden. Sollte am Genfer Salon das gleiche Herstellersterben einsetzen, dass bereits in Paris und auf der IAA in Frankfurt zu verzeichnen gewesen ist ? Wie wird in Zeiten der Diskussion um Stickoxide und Dieselfahrverbote die Stimmung auf der Messe sein ? Wird sich der von einigen Herstellern forcierte Trend zum autonomen Fahren fortsetzen ? Diese Fragen haben mich auf meinem Weg in die Schweiz beschäftigt. Bereits nach dem ersten Pressetag auf der Messe waren jedoch fast alle Zweifel verflogen. Die Messe war wie gewohnt reich an emotionalen Fahrzeugen. Die für Genf so typischen Hersteller von Supersportwagen waren komplett vertreten. Es war erneut das automobile Fest der Superlative am Lac Léman, für das man jedes Jahr wieder gern hierher kommt.

Dass andererseits die Elektromobilität eine bedeutende Rolle am Salon spielen würde, das war nicht anders zu erwarten und macht für die Zukunft der urbanen Lebensräume durchaus Sinn. Nicht alle Konzepte jedoch, die in Genf zu sehen waren, erscheinen mir dabei allerdings erstrebenswert. Wenn ich mir bei Renault den EZ-GO ansehe, ein voll vernetztes, autonom fahrendes Vehikel, das in den Städten der Zukunft die Menschen transportieren soll, so ist mein erster Gedanke, dass diese Zukunft bitte noch weit entfernt sein möge. Ebenso erschliesst sich mir nicht, warum ein Hersteller von Sportwagen wie der Rimac C2 seine Fahrzeuge auf autonomes Fahren der Stufe 4 auslegt. Liebe Leser, warum kauft man sich einen Sportwagen ? Etwa, um damit gefahren zu werden ? Eine weitere Erfahrung durfte ich bei der Besichtigung des Tesla Model 3 machen. War ich bisher der Marke Tesla durchaus sehr positiv gegenüber eingestellt, so hat sich das seit meinem ersten Kontakt mit dem E-Mobil für die Massen grundlegend geändert. Das ausgestellte Fahrzeug war sogar offen, so dass man im Interieur Platz nehmen konnte. Was folgte, war pure Enttäuschung und Ernüchterung. Auf den ersten Blick war zu erkennen, wie Tesla den anvisierten Kampfpreis von USD 35.000.- erreicht hat. Billigste Materialien, die an Ostblock Autos vor der Wende erinnern, prägen schlampig verarbeitet das Ambiente. Die Spaltmasse wechseln zwischen kaum wahrnehmbar bis Grand Canyon, das Pseudo Lederlenkrad ist mit klebrigem Plastik bezogen und die Verkleidung des Sitzrahmens am Fahrersitz, an der auch die Schalter der elektrischen Sitzverstellung angebracht sind, hing nur noch wackelnd in der Gegend herum und das bereits nach etwas mehr als einem Messetag. In dieser Form sollte Tesla unbedingt auf eine Markteinführung des Model 3 in Europa verzichten, alles andere würde in einem Desaster enden.

Das sind aber nur einige Randerscheinungen einer grossen Messe. Allerdings ist seit diesem Jahr wie bereits angesprochen auch Genf in Ansätzen von dem Herstellersterben betroffen. Es bleibt zu hoffen, dass der Messeleitung der Turnaround gelingt, damit der Automobilsalon in Genf noch lange dieses automobile Highlight im Jahreskalender bleibt, dass es auch in diesem Jahr wieder war.

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Fotografen: Kay Andresen